NABOKOW - NAPOLEON - NASH - NASAROW - NESTROY - NIETZSCHE - NOELLE-NEUMANN - NITTI - NIXDORF - NOLL - NOLTE - NORDBRUCH - NORMAN - NOVALIS
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VLADIMIR NABOKOW (1899-1977)

"Um das Leben zu genießen, dürfen wir es nicht zu sehr genießen."


HAROLD NASH (geb. 1970)

"Ich wollte Held sein, aber ich bin Terrorflieger geworden. Ich kann dieses [Kriegsverbrechen] nicht verteidigen." (Der Bombenkrieg, ZDF, 04.02.2003)




NAPOLEON BONAPARTE (1769-1821)

"Das Merkmal eines kleinen Menschen ist, dass er hochmütig wird, wenn er merkt, dass man ihn braucht."

"Das sicherste Mittel, arm zu bleiben, ist, ein ehrlicher Mensch zu sein."

"Die Juden sind eine niedrige, heruntergekommene, aller Schlechtigkeiten fähige Nation."

"Ein Volk, das in der Lage ist, alles zu sagen, ist bald in der Lage, alles zu tun."

"Es gibt Diebe, die nicht bestraft werden und dem Menschen doch das Kostbarste stehlen: die Zeit."

"Es gibt kein gutmütigeres, aber auch kein leichtgläubigeres Volk als das deutsche. Keine Lüge kann grob genug ersonnen werden, die Deutschen glauben sie. Um eine Parole, die man ihnen gab, verfolgen sie ihre Landsleute mit größerer Erbitterung als ihre wirklichen Feinde."

"Es sind Raupen und Heuschrecken, die Frankreich verwüsten." (Über die Juden, 30. April 1806)

"Fürchte nicht die, die nicht mit dir übereinstimmen, sondern die, die nicht mit dir übereinstimmen und zu feige sind, es dir zu sagen.“

"Gelehrte und Intellektuelle sind für mich wie kokette Damen. Man sollte sie besuchen, mit ihnen parlieren aber sie weder heiraten noch zu Ministern machen."

"Geschichte ist die Lüge, auf die man sich geeinigt hat."

"Ich habe alles vermieden, was den elendsten unter den Menschen Achtung bezeigen könnte." (Napoleon-Briefe, Pan-Verlag 1908)

"Ich kenne die Menschen und ich sage Ihnen, dass Jesus kein gewöhnlicher Mensch ist. Zwischen ihm und jeder anderen Person in der Welt gibt es keinen Vergleich. Alexander, Cäsar, Karl der Große und Ich haben Weltreiche gegründet. Aber auf was gründeten wir diese Kreationen unseres Genies? Auf Gewalt. Jesus Christus gründete sein Reich auf Liebe; und zu dieser Stunde würden Millionen Menschen für ihn sterben." (Gespräche mit General Bertrand auf St. Helena)

"In der Politik ist Dummheit kein Hindernis."

"Ordnung marschiert mit gewichtigen und gemessenen Schritten, Unordnung ist immer in Eile."

"Man möge Verrat, aber nicht die Verräter,"

"Quand on fait des crasses, il faut qu'elles réussissent." (Wenn man Dummheiten macht, müssen sie wenigstens gelingen.)

"Soldaten, seid euch bewusst, dass von diesen Pyramiden vierzig Jahrhunderte auf euch herab blicken." (21. Juli 1798)

"Wer widerspricht, ist nicht gefährlich. Gefährlich ist, wer zu feige ist zu widersprechen."




MICHAIL NASAROW (geb. 1948)

„Die sogenannten Oligarchen entstanden in der RF unter Jelzin-Regierung als Folge einer gesetzwidrigen "Privatisierung" des früheren sozialistischen Staatseigentums (auch "Volkseigentum" genannt). Putin hat dazu auch beigetragen (und sich bereichert) als Vize-Bürgermeister in St. Petersburg. In einem Interview für das israelische TV haben Beresowski und andere frischgebackene Oligarchen offen geprahlt, dass dies alles durch frechen Raub- und Korruptionsmetoden der effektiven jüdischen Mentalität möglich war, wozu Russen unfähig sind: "sie sind in diesem Kampf zu weich gegenüber Schläge". (Tausende von russischen Unternehmern wurden dabei einfach ermordet.)

"Über 50 % der RF-Wirtschaft sind unter jüdischer Kontrolle", – sagte dabei Bankier Malkin. ("Oligarchen"). Arte G.E.I.E, Alma Films. 2004, dreiteilig Wenn ich mich nicht irre, unterlagen einer Privatisierung des DDR-Wirtschafs nur solchen Betriebe, die unrentabel waren, mit der Hoffnung sie durch private Investitionen zu reorganisieren. In der RF war es gerade umgekehrt: privatisiert wurden in erster Linie solche Betriebe und Branchen, wo Hühner für den Staat goldene Eier legten, dabei auch Gas, Erdöl und andere Naturschätze, Metallproduktion, wie auch Monopolbranchen wie Stromerzeugung. Pavel Khlebnikov, US Journalist, hat das alles in seinem Buch „Der Kremlpate Boris Beresowski oder der Geschichte der Beraubung Rußlands“) gut dokumentiert.“

"Seit der Zeit hat es sich wesentlich nichts geändert, denn Putin hat mehrmals betont: "eine Änderung der Resultate der Privatisierung ist nicht mehr möglich". Nur die Liste solcher "reichstein Russen" wurden unter Putin etwas erneuert: die loyalen Oligarchen, wie Abramowitsch oder Wechselberg, genießen ihr Reichtum, die politisch zu ambitiosen wie Beresowski oder Gussinski wurden mit ihren Milliarden ins Exil entlassen. Putin hält seine Macht fest entsprechend den uralten Rezepten der Herrschaft (Machiavelli), nur heißt es heute eine "lenkbare Demokratie". Statt KPdSU haben wir ein "demokratische" Analog ("Einheitliches Rußland", im Volksmund: Wir fressen Russland)".

„Die so genannten "Wahlen" sind nur eine lächerliche Schirmwand, die für alle Bürger als solche offensichtlich ist (wie unter KPdSU). Der Grad der Luge in den stattlichen Massenmedia ist auch mit der KPdSU-Zeit vergleichbar, mit einem Unterschied: damals hat man wirkliche technische Errungenschaften gehabt, Großbetriebe, Elektrizitätswerke, Krankenhäuser usw. gebaut, – heute irgendwelche Renovierung eines Schulgebäudes wird als ein Nationalfest gefeiert. (Sieh die Entlarvungen des Direktors des staatlichen Forschungsinstitutes für Statistik Vasilij Simtschera. „Selbstverständlich war Putin dabei kein Altruist und hat wohl nicht nur Freunde bereichert. Aber sein Vermögen (ca. 42 Mrd. Dollar - Stand: 2013) ist ein Geheimnis. Diejenigen, die dies zu recherchieren versuchten, sind entweder in einem lebenslangen Knast (wie Juri Schutow) oder nicht mehr am Leben (wie Pavel Khlebnikov).“

„Chodorkowski war in seinem Bereicherungsmethoden – von Steuerschwindel und bis zu den Morden – nicht ehrlicher, als die loyalen Oligarchen, nur hat er sich auch als Oppositionspolitiker versucht… Er wurde aufgrund bewiesener Verbrechen verurteilt. Es ist doch lächerlich, ihn in dieser Hinsicht zu verteidigen. Was hier nicht richtig ist: warum aber nur er allein? Jeder von Oligarchen (und die Mehrheit der Unternehmer in der RF überhaupt) kann als Verbrecher verurteilt werden, – dies ist eine effektive Kontrollmethode der Staatsmacht.“

„Was der angeblich gedämpfte Einfluss der Juden betrifft, so sind ihre eigenen Feststellungen glaubwürdiger. Z. B. zitiert israelische Zeitung "Haarez" (15.12.2005) den Hauptrabbiner von Moskau Pinchas Goldschmidt: «Heute besitzen die Juden in Rußland so eine Macht und Geldeinfluss, wie nie früher». Dieser Einfluss ist besonders in den Medien sichtbar, wie auch in den gerichtlichen Strafverfolgungen wegen "Antisemitismus" (laut Artikel 282 des StGB der RF). Es gibt viele ähnliche Äußerungen vom RF-Hauptrabbiner Berl Lasar, Politologen L. Radzichowskij und andere einflussreiche Juden. Auch der Präsident der "russischen" Abteilung der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte W. Nowizkij hat eine "wichtige Rolle" der Staatsmacht in der Bekämpfung des "Anti-Semitismus" betont.“

„Der ständige "Anti-Semitismus"-Monitoring (auch in Berichten der USA-Botschaft) zeigt, dass es gelungen ist, der Hass der russischen Bevölkerung von Juden auf Kaukasier und Migranten aus Asien zu lenken. Dies ist eines der Ziele der staatlichen Förderung der Immigration aus Asien, welche keine wirtschaftlichen, sondern vor allen innenpolitischen Gründe hat – um den Widerstand der russischen Bevölkerung zu unterdrücken. Es werden sogar spezielle Polizeitruppen aus Asiaten und Kaukasier gebildet, und die Zahl der Innenmilitärtruppen (für die Bekämpfung des eigenen Volkes) ist die Zahl der regulären RF-Streitkräfte überstiegen.“

„Putin hat mehrmals seine unchristliche Weltanschauung demonstriert. Z. B., auf eine direkte Frage eines US Journalisten, ob er an Gott glaubt, antwortete Putin: "Ich glaube an den Menschen". Wenn er ein Christ wäre, hätte er nie kommunistische antichristliche Staatssymbole übernommen (wenn auch teilweise), nie so viele Namen bolschewistischer Antichristen (Lenin, Swerdlow, Dzerschinskij) als Gebiets-, Stadt- und Straßennamen geduldet. Ca. 20 U-Bahnstationen in Moskau haben noch kommunistische Namen. „Was den Homosexuellen betrifft - so folgt Putin nur der überwiegenden Mentalität und christlichen Kulturtradition des russischen Volkes. Er versucht ja "russisch-patriotisch" auszusehen (wie auch Stalin dies im Kriege getan hat).“

„Die Wirtschaft der Russische Föderation (seit 2012 Mitgliedschaft in der Welthandelsorganisation) ist nicht nur von der westlichen Marktwirtschaft anhängig (RF exportiert Rohstoffe und Waffen, und importiert alle Hausbedarf- und technische Industrieerzeugnisse von einem Kugelschreiber bis Passagierflugzeuge). Die Rubelemission ist fest an den Dollar gebunden, Staatliche Fonds der RF (über eine halbe Billion US-Dollar) sind in US Banken deponiert mit einem Verbot dieses Geld in RF zu investieren.“

„Sogar manche Putins Parteigenossen (wie der Duma-Abgeordnete E. Fedorow) bezeichnen diese Situation als eine koloniale Okkupationsordnung. Aber solchen Offenbarungen dienen nur innen propagandistischen Aufrufen, einen angeblichen "Nationalaufstand Putins gegen US Okkupation" zu unterstützen.“

„Ein gemäßigter Putins Widerstand (nur in einigen Aspekten) gegen die US militärische Expansion ist zwar vorhanden (Putin hat Angst, nach Kaddafi und Assad das nächste Opfer zu werden), aber auch für innenpolitische "patriotische" Propagandazwecke bestimmt und nur weil Amerikaner den Putin versetzen wollen: er hat ja längst seine Rolle erfüllt, und die Weltherrscher wollen ja einen billigeren Manager in Russland haben. In der Innenpolitik will damit Putin auch seine pro-amerikanische Dienstleistungen tarnen: Putin hat ja den USA und ihren Verbündeten viele geopolitische Konzessionen geleistet (sogar territoriale).“

„Putins Biografie als eines KGB-Offiziers ist mit einem treuen Dienst dem kommunistischen Regime verbunden. 90 Prozent seiner Vertrauensleute in den Machtstrukturen stammen aus der KPdSU und viele aus dem KGB. Sie wollen ihren "Dienst dem Vaterland" nicht bereuen, verstehen sich als Nachfolger des UdSSR-Regimes und deswegen versuchen die kommunistischen Verbrechen zu bagatellisieren: "es gab ja auch viele wissenschaftlich-technische Errungenschaften"; "kommunistische Führung hat unser Land von der ‚Hitleragression‘ gerettet". Leider unterstützt diese Politik auch die Kirchenleitung (gebildet noch in der Sowjetzeit), aus dem gleichen Grunde.“

„Aus der echten russisch-orthodoxen Sicht kann aber diese "Versöhnung" mit der gotteswidrigen sowjetischen Periode nicht gottgefällig sein. Deswegen degradiert unser Land weiter wirtschaftlich und geistig - das sehen fast alle unsere Bürger - insbesondere in den armen Provinz-Gebieten – trotz der massiven staatlichen Propaganda einer "Wiedergeburt." Leider wird diese Unzufriedenheit unseres Volkes von antirussischen Kräften (USA u.a.) eigennützig unterstützt, um Rußland als geopolitischen Rivalen zu schwächen und prowestliche Opposition an die Mach statt Putin zu bringen (etwa wie die Orangenrevolution von Juschenko in der Ukraine war). Nun gibt es in der RF keine Voraussetzungen dazu. Dies wird nur von Putin-Propaganda ausgenutzt, um sich dem Volk als kleineres Übel zu präsentieren.“

„Kwatschkow ist einen ehrlicher Offizier, aber kein Politiker oder Ideologe. Sein Versuch eine militärische Opposition zu organisieren war unerfüllbar unter diesem Regime in heutiger Situation ohne Unterstützung der Volksmassen. Unser Volk ist passiv, jeder kämpft um ein persönliches physisches Überleben. Kwatschkow hat in der Praxis nicht getan, außer Worten. Eine überstrenge Strafe (14 Jahre Haft) ist zur Einschüchterung der möglichen anderen bestimmt.“

„Nach einer antirussischen Revolution 1917 und einem Krieg gegen das russische Volk (1917-1922) wurde Russland – mit einer entscheidenden Hilfe der westlichen Demokratien (sieh darüber im Buch vom amerikanischen Prof. Antony Sutton: von einem totalitären antichristlichen Regime okkupiert (unter einem großen jüdischen äußeren und inneren Einfluss und Beteiligung). Damit wollen die Weltherrscher das orthodox-christliche Hindernis für ihre globale Macht zerstören und das hat Rußland zur einen westlichen Kolonie gemacht und für Ausbeutung freigegeben. Dieses geistig wegwandte Regime wurde auch im 2. Weltkrieg zur Vernichtung des europäischen Nationalwiderstandes gegen die jüdisch-freimaurerische Weltordnung erfolgreich ausgenutzt.“

„Deswegen unterstützten die Demokratien dieses antirussische Regime seit 1945. Der Kalte Krieg ist dann notwendig geworden, weil die UdSSR den Westen selbst zu bedrohen begann. Der Volkswiderstand in der UdSSR wurde dabei ausgenutzt, nicht zur Wiederherstellung des nationalen russischen Staates, sondern um, wiederum mit einer entscheidenden Hilfe des Westens, ein "demokratisches" antirussisches von den USA abhängiges Regime zu errichten. Deswegen nenne ich es nie „Rußland“, sondern RF (russische Föderation).“

„Die wahre Geschichte des 20. Jahrhunderts wird in der RF weiter verschwiegen. Wie auch in Deutschland und in der ganzen Welt. Es gelang den Weltherrschern unsere beiden konservativen Völker, Russen und Deutschen, nicht nur gegeneinander zu hetzen, sondern auch zu denationalisieren. Nur eine Wiederherstellung der historischen Wahrheit und eine Befreiung vom jüdisch-amerikanischen Diktat könnten unsere Völker zu einer echten Versöhnung und wirtschaftlichen Zusammenarbeit in einem Verteidigungsbündnis zu bringen.“ (Auszüge aus Interview für Blog "Der Honigmann sagt", Juli 2013)




JOHANN NEPOMUK NESTROY (1801-1862)

„An Scheidungsgründen fehlte es nie, wenn nur der Wille da ist.“

"Armut ist ohne Zweifel das Schrecklichste. Mir dürft' einer zehn Millionen herlegen und sagen, ich soll arm sein dafür, ich nehmet s' nicht."

"Das Glück ist eine leichtfertige Person, die sich stark schminkt und von ferne schön ist."

"Die Zensur ist die jüngere von zwei schändlichen Schwestern. Die ältere heißt Inquisition. Die Zensur ist das lebendige Eingeständnis der Herrschenden, daß sie nur verdummte Sklaven treten, aber keine freien Völker regieren können".

"Du hättest recht, wenn die Dummheit eine Geisterschwäche wäre. Leider ist sie aber eine furchtbare Stärke. Sie ist ein Fels, der unerschüttert dasteht; wenn auch ein Meer von Vernunft ihm seine Wogen an die Stirne schleudert." (Gegen Torheit gibt es kein Mittel)

"Eben die Träum' verraten mir's, daß es auf die Neig' geht, ich mein' die wachen Träum' in Hoffnungen, ist man jung, bestehen sie in Erinnerungen, so ist man alt."

„Es gibt wohl viel, die ganz stolz den Selbstmord eine Feigheit nennen. Sie sollen es probieren hernach sollen es reden.“

"Es gibt sehr wenig böse Menschen und doch geschieht so viel Unheil in der Welt. Der größte Teil dieses Unheils kommt auf Rechnung der vielen, vielen guten Menschen, die weiter nichts als gute Menschen sind."

"Lang leben wollen halt alle, aber alt werden will kein Mensch."

"Nein, wenn die Gäste wüßten, wie z'wider sie einem oft sind, es ließ sich gar kein Mensch mehr einlanden auf der Welt" (Frau von Erbsenstein)

“Strenge Moralisten sagen: um glücklich zu sein, muß man alle Leidenschaften aus sich verdammen. Dieser Rat ist ungefähr so gut, als wie wenn man einem, der über enge Schuhe klagt, sagt er soll sich beide Füße amputieren lassen, damit er kein Verdruß mehr hat.“

"Warum soll die Gegenwart dem ihre Blicke schenken, der immer mit der Zukunft kokettiert?"

"Zuviel Vertrauen ist häufig eine Dummheit, zuviel Mißtrauen ist immer ein Unglück."


Elisabeth NOELLE-NEUMANN (1916-2010)

"Seit 1933 konzentrieren die Juden, die einen großen Teil von Amerikas geistigem Leben monopolisiert haben, ihre demagogischen Fähigkeiten auf die Deutschlandhetze."

"Im raschen Absinken fanden wir, was 250 Jahre lang als bürgerliche Tugenden gepflegt worden war. Der Abbau vollzog sich in der Arbeiterschaft, aber darüber hinaus in allen Bevölkerungsschichten und immer am radikalsten bei der jungen Generation."

"Kann eine jubge Generation so zusagen im Wartesaal der Geschichte aufwachsen und dort ihr Leben verbringen? - fragte Gräfin Dönhoff bei der Berliner Diskussion des bergedorfer Kreises. Und Richard Löwenthal stellte fest: Ich bin davon überzeugt, das es wieder eine Lösung der europäischen noch der Deutsche Frage geben kann, solange sich die "Sowjetunion" nicht eines tages aus Europa wieder zurückzieht. Kann unter solchen Umständen das gefühl einer deutschen Einheit lebendig bleiben? ... Auf die eben erwähnte Frage: "Hat es Zweckm wenn wir immer wieder fordern, Deutschland soll Wiedervereinigt werden, oder muß man das einfach der zeit überlassen?" antworteten im November 1983 statt der 39 von Mitte der sechzigen Jahre nur noch 33 Prozent "immer wieder fordern", 55 Prozent sagten jetzt: "Der Zeit überlassen". Auf die Frage, mit dem man sich allgemein beschäftigen sollte..?" sagte praktisch niemand mehr - weniger als 0,5 Prozent - "die Wiedervereinigung". Die Sache wird ganz auf die lange Bank geschoben, man konnte denken, sie habe jede Vitalität verloren. Un doch wäre es eine völlig falsche politische Spekulation, von dieser Annnahme auszugehen - ebenso falsch wie die Annahme, man könnte eine Los-von-Amerika-Bewegung und Deutsche-Einheit-Bewegung unten den Stichwort "National-Neutralismus" über den Nacht entfachen. Sehr lange im Wartesaal der Geschichte auszuharren, das scheint gegenwärtig die treffendste Neschreibungder Stimmungs- und Erwartungslage der bevölkerung der Bundesrepublik." (1985)

"Der Satz, der dem befragten im Interview vorgestellt wurde, lautete: "Das gesamte deutsche Volk bleibt aufgefordert, in freier Selbsbestimmung die Einheit und die freiheit Deutschland zu vollenden..." Soll weiterhin im Grundgesetz stehen" antworteten 73 Prozent im April 1973, 79 Prozent im November 1983. "Gestrichen werden fanden vor einem Jahzent 11 Prozent, jetzt 1986 7 Prozent." (Im Wartesaal der Geschichte, 1986)

"Mit dem Ausdruck "bürgerlich" bei einer Analyse zu arbeiten, als sei es ein eindeutiger Begriffwie Tisch und Stuhl, könnte Anstoß erregen: sicher, der Begriff schillert, muss vieldeutig sein, weil er in der Kampfzone geraten ist, in der der Sinn der Worte systematisch verändert wird. Es soll darum ausdrücklich angegeben werden, was hier unter "büßrgerlichen Werten" verstanden wird: der hohe Wert der Arbeit, von Leistung; Überzeugung, daß sich Anstrengung lohnt. Glaube an Aufstieg und Gerechtigkeit des Aufstieges; Bejajung von Unterschieden zwischen den Menschen und ihrer Lage, Bejajung des Wettbewerbs, Sparsamkeit als Fähigkeit, kurzfristige Befriedigung zugunsten langfristigen zurückzustellen. Respekt vor Besitz, Streben nach gesellschaftlich Anerkennung , Prestige, damit verbundenen Anerkennung der geltenden Normen von Sitte und Anstand; Konservatismus, um das Erworbene zu behalten; in gemäßigter Weise auch Bildungsstreben."


WOLFGANG NEUSS (1923-1989)

"Es genügt nicht, keine Meinung zu haben. Man muss auch unfähig sein, sie auszudrücken."

"Unsere Meinungen: Unsere Haut, in der wir gesehen werden wollen."




FRIEDRICH NIETZSCHE (1844-1900)

"Also aber rate ich euch, meine Freunde: misstraut allen, in welchen der Trieb, zu strafen, mächtig ist! Das ist Volk schlechtester Art und Abkunft; aus ihren Gesichtern blicken der Henker und der Spürhund." (Also sprach Zarathustra)

       "Alles geht, alles kommt zurück; ewig rollt das Rad des Seins.
        Alles stirbt, alles blüht wieder auf, ewig läuft das Jahr des Seins.
        Alles bricht, alles wird neu gefügt; ewig baut sich das gleiche Haus des Seins.
        Alles scheidet, alles grüßt sich wieder; ewig bleibt sich treu der Ring des Seins.”

,,Am Sterbebette des Christentums. Die wirklich aktiven Menschen sind jetzt innerlich ohne Christentum, und die mäßigeren und betrachtsameren Menschen des geistigen Mittelstandes besitzen nur noch ein zurechtgemachtes, nämlich ein wunderlich vereinfachtes Christentum.” (Morgenröthe)

"Bei der ungeheuren Beschleunigung des Lebens werden Geist und Auge an ein halbes und falsches Sehen und Urteilen gewöhnt."

“Christlich ist der Haß gegen den Geist, gegen Stolz, Mut, Freiheit, libertinage des Geistes, christlich ist der Haß gegen die Sinne, gegen die Freuden der Sinne, gegen die Freude überhaupt.”

"Das sind mir unangenehme Menschen, bei denen jeder natürliche Hang sofort zur Krankheit wird, zu etwas Entstellendem oder gar Schmählichem, - diese haben uns zu der Meinung verführt, die Hänge und Triebe des Menschen seien böse; sie sind die Ursache unserer großen Ungerechtigkeit gegen unsere Natur, gegen alle Natur! Es gibt genug Menschen, die sich ihren Trieben mit Anmut und Sorglosigkeit überlassen dürfen: aber sie tun es nicht, aus Angst vor jenem eingebildeten 'bösen Wesen' der Natur! Daher ist es gekommen, daß so wenig (natürliche Grazie und, PN) Vornehmheit unter den Menschen zu finden ist: deren Kennzeichen es immer sein wird, vor sich keine Furcht zu haben, von sich nichts Schmähliches zu erwarten, ohne Bedenken zu fliegen, wohin es uns treibt - uns freigeborene Vögel! Wohin wir auch nur kommen, immer wird es frei und Sonnenlicht um uns sein" (Die fröhliche Wissenschaft)

"Der Parlamentarismus, das heißt die öffentliche Erlaubnis; zwischen fünf politischen Grundmeinungen wählen zu dürfen, schmeichelt sich bei jenen Vielen ein, welche gerne selbständig und individuell scheinen und für ihre Meinungen kämpfen möchten. Zuletzt aber ist es gleichgültig, ob der Herde eine Meinung befohlen oder fünf Meinungen gestattet sind. Wer von den fünf öffentlichen Meinungen abweicht und bei Seite tritt, hat immer die ganze Herde gegen sich." (Die fröhliche Wissenschaft, III. Buch, 174)

"Der Irrsinn ist bei Einzelnen etwas seltens. Aber bei Gruppen, Parteien, Völkern, Zeiten die Regel."

Der Sozialismus ist der phantastische jüngere Bruder des fast abgelebten Despotismus, den er beerben will; seine Bestrebungen sind also im tiefsten Verstande reaktionär. Denn er begehrt eine Fülle der Staatsgewalt, wie sie nur je der Despotismus gehabt hat, ja er überbietet alles Vergangene dadurch, dass er die förmliche Vernichtung des Individuums anstrebt: als welches ihm wie ein unberechtigter Luxus der Natur vorkommt und durch ihn in ein zweckmäßiges Organ des Gemeinwesens umgebessert werden soll.

"Der Zuwachs an Weisheit läßt sich genau nach Abnahme ab Galle bemesse."

"Seiner Verwandtschaft wegen erscheint er immer in der Nähe aller exzessiven Machtentfaltungen, wie der alte typische Sozialist Plato am Hofe des sicilischen Tyrannen; er wünscht (und befördert unter Umständen) den cäsarischen Gewaltstaat dieses Jahrhunderts, weil er, wie gesagt, sein Erbe werden möchte. "

"Aber selbst diese Erbschaft würde für seine Zwecke nicht ausreichen, er braucht die allerunterthänigste Niederwerfung aller Bürger vor dem unbedingten Staate, wie niemals etwas Gleiches existiert hat; und da er nicht einmal auf die alte religiöse Pietät für den Staat mehr rechnen darf, vielmehr an deren Beseitigung unwillkürlich fortwährend arbeiten muss - nämlich weil er an der Beseitigung aller bestehenden Staaten arbeitet -, so kann er sich nur auf kurze Zeiten, durch den äußersten Terrorismus, hie und da einmal auf Existenz Hoffnung machen. Deshalb bereitet er sich im Stillen zu Schreckensherrschaften vor und treibt den halb gebildeten Massen das Wort "Gerechtigkeit" wie einen Nagel in den Kopf, um sie ihres Verstandes völlig zu berauben (nachdem dieser Verstand schon durch die Halbbildung sehr gelitten hat) und ihnen für das böse Spiel, das sie spielen sollen, ein gutes Gewissen zu schaffen.""

"Der Sozialismus kann dazu dienen, die Gefahr aller Anhäufungen von Staatsgewalt recht brutal und eindringlich zu lehren und insofern vor dem Staate selbst Misstrauen einzuflössen. Wenn seine rauhe Stimme in das Feldgeschrei "so viel Staat wie möglich" einfällt, so wird dieses zunächst dadurch lärmender, als je: aber bald dringt auch das entgegengesetzte mit umso größerer Kraft hervor: "so wenig Staat wie möglich". (Menschliches, Allzumenschliches)

"Der Vorteil des schlechten Gedächtnisses ist, dass man dieselben guten Dinge mehrere Male zum ersten Male genießt."

"Der Begriff Politik ist dann gänzlich in einen Geisterkrieg aufgegangen, alle Machtgebilde der alten Gesellschaft sind in die Luft gesprängt - sie ruhen allesamt auf der Lüge: es wird Kriege geben, wie es noch keine auf Erden gegeben hat. Erst von mir an gibt es auf Erden große Politik! ( Ecce homo)

"Die Forderung, geliebt zu werden, ist die größte aller Anmaßungen.

"Die Juden sind aber ohne allen Zweifel die stärkste, zäheste und reinste Rasse, die jetzt in Europa lebt". (Jenseits von Gut und Böse)

Die jüdische Religion hat einen unsäglichen Schauder vor dem Tod, das Hauptziel ihrer Gebete – um langes Leben.

"Die Hoffnung ist der Regenbogen über den herabstürzenden jähen Bach des Lebens."

Die Menschen drängen sich zum Lichte, nicht um besser zu sehen, sondern um besser zu glänzen."

"Es ist mit dem Menschen wie mit dem Baume. Je mehr er hinauf in die Höhe und Helle will, um so stärker streben seine Wurzeln erdwärts, abwärts ind dunkle, Tiefe, ins Böse" (Vom Baum am Berge)

"Es liegt auf der Hand, dass am unbedenklichsten noch sich die stärkeren und bereits fester geprägten Typen des neuen Deutschtums mit ihnen einlassen könnten, zum Beispiel der adelige Offizier aus der Mark: es wäre von vielfachem Interesse, zu sehen, ob sich nicht zu der erblichen Kunst des Befehlens und Gehorchens - in Beidem ist das bezeichnete Land heute klassisch - das Genie des Geldes und der Geduld (und vor allem etwas Geist und Geistigkeit, woran es reichlich an der bezeichneten Stelle fehlt -) hinzutun, hinzu züchten ließe. Doch hier ziemt es sich, meine heitere Deutschtümelei und Festrede abzubrechen: denn ich rühre bereits an meinen Ernst, an das "europäische Problem", wie ich es verstehe, an die Züchtung einer neuen über Europa, regierenden Kaste."(Jenseits von Gut und Böse)

„Emanzipation des Weibes – das ist der Instinkthass des missratenen, das heißt gebäruntüchtigen Weibes gegen das wohl geratene – der Kampf gegen den ‚Mann‘ ist immer nur Mittel, Vorwand, Taktik. Sie wollen, indem sie sich hinaufheben, als ‚Weib an sich‘, als höheres Weib, als ‚Idealistin‘ von Weib, das allgemeine Rangniveau des Weibes herunterbringen; (…) im Grunde sind die Emanzipierten die Anarchisten in der Welt des ‚Ewig-Weiblichen‘, die Schlechtweggekommenen, deren unterster Instinkt Rache ist…“ (Ecce Homo)

“Euer Geist und eure Tugend diene dem Sinn der Erde, meine Brüder: und aller Dinge Wert werde neu von euch gesetzt! Darum sollt ihr Kämpfender sein! Darum sollt ihr Schaffender sein!”

"Frei ist, wer in Ketten tanzen kann."

Gedanken, die mit Taubenfüßen kommen lenken die Welt.“ (Also sprach Zaratustra)

"Gewissensbisse sind wie die Bisse eines Hundes gegen einen Stein - eine Dummheit!"

"Hat man sein “Warum?“ des Lebens, so verträgt man sich fast mit jedem „Wie?

"Ich sage euch: man muss noch Chaos in sich haben, um einen tanzenden Stern gebären zu können. Ich sage euch: ihr habt noch Chaos in euch."

“Ich berühre hier nur das Problem der Entstehung des Christentums. Der erste Satz zu dessen Lösung heißt: das Christentum ist einzig aus dem Boden zu verstehn, aus dem es gewachsen ist, es ist nicht eine Gegenbewegung gegen den jüdischen Instinkt, es ist dessen Folgerichtigkeit selbst, ein Schluß weiter in dessen furchteinflößender Logik.

“Ihr Einsamen von heute, Ihr Ausscheidenden, ihr sollt einst ein Volk sein: aus euch, die ihr euch selber auswählet, soll ein auserwähltes Volk erwachsen…”

"In dem großen Strudel der Kräften steht der Mensch und bildet sich ein, jener Strudel sei vernünftig und habe ein vernünftigen Zweck: Irrtum! Das einzige Vernünftige, was wir kennen, ist das bißchen Vernunft des Menschen. er nuß es sehr anstrengen, und es läuft immer zu seinem Verderben aus, wenn er sich etwa der 'Vosehung' überlassen wollte." (Wir Philologen)

,,Man soll das Christentum nicht schmücken und herausputzen: es hat einen Todkrieg gegen diesen höheren Typus Mensch gemacht, es hat alle Grundinstinkte dieses Typus in Bann getan, es hat aus diesen Instinkten das Böse, den Bösen herausdestilliert: der starke Mensch als der typisch Verwerfliche, der `verworfene Mensch´. Das Christentum hat die Partei alles Schwachen, Niedrigen, Mißratenen genommen, es hat ein Ideal aus dem Widerspruch gegen die Erhaltungs-lnstinkte des starken Lebens gemacht.” (Morgenröthe)

"Nehmt Eure Sprache ernst! Wer es hier nicht zu dem Gefühl einer heiligen Pflicht bringt, in dem ist nicht einmal der Keim für eine höhere Bildung vorhanden-"

“Solange der Priester noch als eine höhere Art Mensch gilt, dieser Verneiner, Verleumder, Vergifter des Lebens von Beruf, gibt es keine Antwort auf die Frage: was ist Wahrheit? Man hat bereits die Wahrheit auf den Kopf gestellt, wenn der bewußte Advokat des Nichts und der Verneinung als Vertreter der ,Wahrheit´ gilt.

"Staat heißt das kälteste aller kalten Ungeheuer. Kalt lügt es auch; und diese Lüge kriecht aus seinem Munde: "Ich, der Staat, bin das Volk!" (Also sprach Zarathustra)

"Viele Menschen warten ihr Leben lang auf die Gelegenheit, auf ihre Art gut zu sein."

"Vielleicht ist der junge jüdische Börsenspekulant die am meisten abstoßende Erfindung des Menschengeschlechts."

"Was der Vater schwieg, das kommt im Sohne zum Reden; und oft fand ich den Sohn als des Vaters entblößtes Geheimnis."

"Wenn nämlich ein Volk vorwärts geht und wächst, so sprengt es jedes Mal den Gürtel, der ihm bis dahin sein nationales Ansehen gab: bleibt es stehen, verkümmert es, so schließt sich ein neuer Gürtel um seine Seele; die immer härter werdende Kruste baut gleichsam ein Gefängnis herum, dessen Mauern immer wachsen. Hat ein Volk also sehr viel Festes, so ist dies ein Beweis, daß es versteinern will und ganz und gar Monument werden möchte: wie es von einem bestimmten Zeitpunkte an das Ägyptertum war. Der also, welcher den Deutschen wohlwill, mag für seinen Teil zusehen, wie er immer mehr aus dem, was deutsch ist, hinauswachse. Die Wendung zum Undeutschen ist deshalb immer das Kennzeichen der Tüchtigen unseres Volkes gewesen." (Menschliches, Allzumenschliches)

"Wenn man von einem unerträglichen Druck loskommen will, so hat man Haschisch nötig."

"Wer davon lebt, einen Feind zu bekämpfen, hat ein Interesse daran, dass er am Leben bleibt."

"Wer sich tief weiß, bemüht sich um Klarheit. Wer der Menge tief scheinen möchte, bemüht sich um die Dunkelheit!"

"Wer von den fünf öffentlichen Meinungen abweicht und beiseite tritt, hat immer die Herde gegen sich".

Wer von seinem Tag nicht zwei Drittel für sich selbst hat, ist ein Sklave.

"Wer von uns Beiden ist der Glücklichste? Der, dem sein Unglück am besten missraten ist."

"Willst du das Leben leicht haben, so bleibe immer bei der Herde."

"Wir halten die Thiere nicht für moralische Wesen. Aber meint ihr denn, dass die Thiere uns für moralische Wesen halten?"

"Wir Deutsche sind Hegelianer, auch wenn es nie einen Hegel gegeben hätte, insofern wir (im Gegensatz zu allen Lateinern) dem erden, der Entwicklung instinktiv einen tieferen Sinn und reicheren Wert zumessen als dem, was ist - wir glauben kaum an die Berechtigung des Begriffs Sein - ebenfalls insofern wir unsrer menschlichen Logik nicht geneigt sind einzuräumen, daß sie die Logik an sich, die einzige Art Logik sei (wir möchten vielmehr uns überreden, daß sie nur ein Spezialfall sei, und vielleicht einer der wunderlichsten und dümmsten)."

"Unsere Meinungen: Unsere Haut, in der wir gesehen werden wollen."


NIETZSCHE ÜBER SICH SELBST

Schon meiner Abkunft nach ist mir ein Blick erlaubt jenseits aller bloß lokal, bloß national bedingten Perspektiven, es kostet mich keine Mühe, ein "guter Europäer" zu sein. Andrerseits bin ich vielleicht mehr deutsch, als jetzige Deutsche, bloße Reichsdeutsche es noch zu sein vermöchten - ich, der letzte antipolitische Deutsche. Und doch waren meine Vorfahren polnische Edelleute: ich habe von daher viel Rasseninstinkte im Leibe, wer weiß? zuletzt gar noch das liberum veto. Denke ich daran, wie oft ich unterwegs als Pole angeredet werde und von Polen selbst, wie selten man mich für einen Deutschen nimmt, so könnte es scheinen, daß ich nur zu den angesprenkelten Deutschen gehörte.

Aber meine Mutter, Franziska Oehler, ist jedenfalls etwas sehr Deutsches; insgleichen meine Großmutter väterlicherseits, Erdmuthe Krause. Letztere lebte ihre ganze Jugend mitten im guten alten Weimar, nicht ohne Zusammenhang mit dem Goetheschen Kreise. Ihr Bruder, der Professor der Theologie Krause in Königsberg, wurde nach Herders Tode als Generalsuperintendent nach Weimar berufen. Es ist nicht unmöglich, daß ihre Mutter, meine Urgroßmutter, unter dem Namen "Mutligen" im Tagebuch des jungen Goethe vorkommt. Sie verheiratete sich zum zweiten Mal mit dem Superintendenten Nietzsche in Eilenburg; an dem Tage des großen Kriegsjahres 1813, wo Napoleon mit seinem Generalstab in Eilenburg einzog, am 10. Oktober, hatte sie ihre Niederkunft. Sie war, als Sächsin, eine große Verehrerin Napoleons; es könnte sein, daß ich's auch noch bin.

Mein Vater, 1813 geboren, starb 1849. Er lebte, bevor er das Pfarramt der Gemeinde Röcken unweit Lützen übernahm, einige Jahre auf dem Altenburger Schlosse und unterrichtete die vier Prinzessinnen daselbst. Seine Schülerinnen sind die Königin von Hannover, die Großfürstin Constantin, die Großherzogin von Oldenburg und die Prinzeß Therese von Sachsen-Altenburg. Er war voll tiefer Pietät gegen den preußischen König Friedrich Wilhelm den Vierten, von dem er auch sein Pfarramt erhielt; die Ereignisse von 1848 betrübten ihn über die Maßen. Ich selber, am Geburtstage des genannten Königs geboren, am 15. Oktober, erhielt, wie billig, die Hohenzollern-Namen Friedrich Wilhelm. Einen Vorteil hatte jedenfalls die Wahl dieses Tages: mein Geburtstag war meine ganze Kindheit hindurch ein Festtag. Ich betrachte es als ein großes Vorrecht, einen solchen Vater gehabt zu haben: es scheint mir sogar, daß sich damit alles erklärt, was ich sonst an Vorrechten habe - das Leben, das große Ja zum Leben nicht eingerechnet.
Vor allem, daß es für mich keiner Absicht dazu bedarf, sondern eines bloßen Abwartens, um unfreiwillig in eine Welt hoher und zarter Dinge einzutreten: ich bin dort zu Hause, meine innerste Leidenschaft wird dort erst frei. Daß ich für dies Vorrecht beinahe mit dem Leben zahlte, ist gewiß kein unbilliger Handel. Um nur etwas von meinem Zarathustra zu verstehn, muß man vielleicht ähnlich bedingt sein, wie ich es bin - mit einem Fuße jenseits des Lebens...

Ich habe nie die Kunst verstanden, gegen mich einzunehmen - auch das verdanke ich meinem unvergleichlichen Vater - und selbst noch, wenn es mir von großem Werte schien. Ich bin sogar, wie sehr immer das unchristlich scheinen mag, nicht einmal gegen mich eingenommen. Man mag mein Leben hin- und herwenden, man wird darin nur selten, im Grunde nur einmal Spuren davon entdecken, daß jemand bösen Willen gegen mich gehabt hätte - vielleicht aber etwas zu viel Spuren von gutem Willen.. .

Meine Erfahrungen selbst mit solchen, an denen jedermann schlechte Erfahrungen macht, sprechen ohne Ausnahme zu deren Gunsten; ich zähme jeden Bär, ich mache die Hanswürste noch sittsam. In den sieben Jahren, wo ich an der obersten Klasse des Basler Pädagogiums Griechisch lehrte, habe ich keinen Anlaß gehabt, eine Strafe zu verhängen; die Faulsten waren bei mir fleißig. Dem Zufall bin ich immer gewachsen; ich muß unvorbereitet sein, um meiner Herr zu sein. Das Instrument, es sei, welches es wolle, es sei so verstimmt, wie nur das Instrument "Mensch" verstimmt werden kann- ich müßte krank sein, wenn es mir nicht gelingen sollte, ihm etwas Anhörbares abzugewinnen. Und wie oft habe ich das von den "Instrumenten" selber gehört, daß sie sich noch nie so gehört hätten...

Am schönsten vielleicht von jenem unverzeihlich jung gestorbenen Heinrich von Stein, der einmal, nach sorgsam eingeholter Erlaubnis, auf drei Tage in Sils-Maria erschien, jedermann erklärend, daß er nicht wegen des Engadins komme. Dieser ausgezeichnete Mensch, der mit der ganzen ungestümen Einfalt eines preußischen Junkers in den Wagnerschen Sumpf hineingewatet war (- und außerdem noch in den Dühringschen!) war diese drei Tage wie umgewandelt durch einen Sturmwind der Freiheit, gleich einem, der plötzlich in seine Höhe gehoben wird und Flügel bekommt. Ich sagte ihm immer, das mache die gute Luft hier oben, so gehe es jedem, man sei nicht umsonst 6000 Fuß über Bayreuth - aber er wollte mir's nicht glauben... Wenn trotzdem an mir manche kleine und große Missetat verübt worden ist, so war nicht der "Wille", am wenigsten der böse Wille Grund davon: eher schon hätte ich mich - ich deutete es eben an - über den guten Willen zu beklagen, der keinen kleinen Unfug in meinem Leben angerichtet hat.

Meine Erfahrungen geben mir ein Anrecht auf Mißtrauen überhaupt hinsichtlich der sogenannten "selbstlosen" Triebe, der gesamten zu Rat und Tat bereiten "Nächstenliebe". Sie gilt mir an sich als Schwäche, als Einzelfall der Widerstands-Unfähigkeit gegen Reize - das Mitleiden heißt nur bei décadents eine Tugend. Ich werfe den Mitleidigen vor, daß ihnen die Scham, die Ehrfurcht, das Zartgefühl vor Distanzen leicht abhanden kommt, daß Mitleiden im Handumdrehen nach Pöbel riecht und schlechten Manieren zum Verwechseln ähnlich sieht - daß mitleidige Hände unter Umständen geradezu zerstörerisch in ein großes Schicksal, in eine Vereinsamung unter Wunden, in ein Vorrecht auf schwere Schuld hineingreifen können. Die Überwindung des Mitleids rechne ich unter die vornehmen Tugenden: ich habe als "Versuchung Zarathustras" einen Fall gedichtet, wo ein großer Notschrei an ihn kommt, wo das Mitleiden wie eine letzte Sünde ihn überfallen, ihn von sich abspenstig machen will. Hier Herr bleiben, hier die Höhe seiner Aufgabe reinhalten von den viel niedrigeren und kurzsichtigeren Antrieben, welche in den sogenannten selbstlosen Handlungen tätig sind, das ist die Probe, die letzte Probe vielleicht, die ein Zarathustra abzulegen hat - sein eigentlicher Beweis von Kraft ...

"Ich bin bei weitem der furchtbarste Mensch, den es bisher gegeben hat; dies schließt nicht aus, daß ich der wohltätigste sein werde, Ich kenne die Lust am Vernichten in einem Grade, die meiner Kraft zum Vernichten gemäß ist - in beiden gehorche ich meiner dionystischen Natur, welche das Naintun nicht von Jasagen zu trennen weiß. Ich bin der erste Immoralist. damit bin ich der Vernichter par excellence." (Ecce homo)


WAS IST EIN WORT?

"Die Abbildung eines Nervenreizes in Lauten. Von dem Nervenreiz aber weiterzuschliessen auf eine Ursache außer uns, ist bereits das Resultat einer falschen und unberechtigten Anwendung des Satzes vom Grunde.

Wie dürften wir, wenn die Wahrheit bei der Genesis der Sprache, der Gesichtspunkt der Gewissheit bei den Bezeichnungen allein entscheidend gewesen wäre, wie dürften wir doch sagen: der Stein ist hart: als ob uns „hart“ noch sonst bekannt wäre und nicht nur als eine ganz subjektive Reizung! Wir teilen die Dinge nach Geschlechtern ein, wir bezeichnen den Baum als männlich, die Pflanze als weiblich: welche willkürlichen Übertragungen! Wie weit hinausgeflogen über den Canon der Gewissheit!

Wir reden von einer Schlange: die Bezeichnung trifft nichts als das Schwinden, könnte also auch dem Wurme zukommen. Welche willkürlichen Abgrenzungen, welche einseitigen Bevorzugungen bald der bald jener Eigenschaft eines Dinges!

Die verschiedenen Sprachen nebeneinander gestellt zeigen, dass es bei den Worten nie auf die Wahrheit, nie auf einen adäquaten Ausdruck ankommt: denn sonst gäbe es nicht so viele Sprachen. Das „Ding an sich“ (das würde eben die reine folgenlose Wahrheit sein) ist auch dem Sprachbildner ganz unfasslich und ganz und gar nicht erstrebenswerte. Er bezeichnet nur die Relationen der Dinge zu den Menschen und nimmt zu deren Ausdrucke die kühnsten Metaphern zu Hülfe.

Ein Nervenreiz zuerst übertragen in ein Bild! erste Metapher. Das Bild wieder nachgeformt in einem Laut! Zweite Metapher. Und jedes Mal vollständiges Überspringen der Sphäre, mitten hinein in eine ganz Andere und Neue."

Freitäter und Freidenker
„Die Freitäter sind im Nachteil gegen die Freidenker, weil die Menschen sichtbarer an den Folgen von Taten, als von Gedanken leiden. Bedenkt man aber, dass diese wie jene ihre Befriedigung suchen und dass den Freidenkern schon ein Ausdenken und Aussprechen von verbotenen Dingen diese Befriedigung gibt, so ist in Ansehung der Motive Alles eins: und in Ansehung der Folgen wird der Ausschlag sogar gegen den Freidenker sein, vorausgesetzt, dass man nicht nach der nächsten und gröbsten Sichtbarkeit - das heißt: nicht wie alle Welt urteilt. Man hat viel von der Verunglimpfung wieder zurückzunehmen, mit der die Menschen alle Jene bedacht haben, welche durch die Tat den Bann einer Sitte durchbrachen, - im Allgemeinen heißen sie Verbrecher. Jeder, der das bestehende Sittengesetz umwarf, hat bisher zuerst immer als schlechter Mensch gegolten: aber wenn man, wie es vorkam, hinterher es nicht wieder aufzurichten vermochte und sich damit zufrieden gab, so veränderte sich das Prädikat allmählich; - die Geschichte handelt fast nur von diesen schlechten Menschen, welche später gutgesprochen worden sind!

Sittlichkeit und Verdummung
„Die Sitte repräsentiert die Erfahrungen früherer Menschen über das vermeintlich Nützliche und Schädliche, - aber das Gefühl für die Sitte (Sittlichkeit) bezieht sich nicht auf jene Erfahrungen als solche, sondern auf das Alter, die Heiligkeit, die Indiskutabilität der Sitte. Und damit wirkt dies Gefühl dem entgegen, dass man neue Erfahrungen macht und die Sitten korrigiert: das heißt, die Sittlichkeit wirkt der Entstehung neuer und besserer Sitten entgegen: sie verdummt.“

Nachträgliche Vernünftigkeit
„Alle Dinge, die lange leben, werden allmählich so mit Vernunft durchtränkt, dass ihre Abkunft aus der Unvernunft dadurch unwahrscheinlich wird. Klingt nicht fast jede genaue Geschichte einer Entstehung für das Gefühl paradox und frevelhaft? Widerspricht der gute Historiker im Grunde nicht fortwährend?

Vorurteil der Gelehrten
„Es ist ein richtiges Urteil der Gelehrten, dass die Menschen aller Zeiten zu wissen glaubten, was gut und böse, lobens- und tadelnswert sei. Aber es ist ein Vorurteil der Gelehrten, dass wir es jetzt besser wüssten, als irgendeine Zeit.“

Alles hat seine Zeit
„Als der Mensch allen Dingen ein Geschlecht gab, meinte er nicht zu spielen, sondern eine tiefe Einsicht gewonnen zu haben: den ungeheuren Umfang dieses Irrtums hat er sich sehr spät und jetzt vielleicht noch nicht ganz eingestanden. Ebenso hat der Mensch Allem, was da ist, eine Beziehung zur Moral beigelegt und der Welt eine ethische Bedeutung über die Schulter gehängt. Das wird einmal ebenso viel und nicht mehr Wert haben, als es heute schon der Glaube an die Männlichkeit oder Weiblichkeit der Sonne hat.

Vernunft und Tyrannei
„Wenn man nöthig hat, aus der Vernunft einen Tyrannen zu machen, wie Sokrates es that, so muss die Gefahr nicht klein sein, dass etwas Andres den Tyrannen macht. Die Vernünftigkeit wurde damals errathen als Retterin, es stand weder Sokrates, noch seinen „Kranken“ frei, vernünftig zu sein, es war de rigueur, es war ihr letztes Mittel. Der Fanatismus, mit dem sich das ganze griechische Nachdenken auf die Vernünftigkeit wirft, verräth eine Nothlage: man war in Gefahr, man hatte nur Eine Wahl: entweder zu Grunde zu gehn oder - absurdvernünftig zu sein … Der Moralismus der griechischen Philosophen von Plato ab ist pathologisch bedingt; ebenso ihre Schätzung der Dialektik. Vernunft = Tugend = Glück heisst bloss: man muss es dem Sokrates nachmachen und gegen die dunklen Begehrungen ein Tageslicht in Permanenz herstellen - das Tageslicht der Vernunft. Man muss klug, klar, hell um jeden Preis sein: jedes Nachgeben an die Instinkte, an's Unbewusste führt hinab…


              DAS WORT

              Lebendgem Worte bin ich gut:
              Das springt heran so wohlgemut,
              das grüßt mit artigem Geschick,
              hat Blut in sich, kann herzhaft schnauben,
              kriecht dann zum Ohre selbst dem Tauben
              und ringelt sich und flattert jetzt
              und was es tut, das Wort ergötzt.

              Doch bleibt das Wort ein zartes Wesen,
              bald krank und aber bald genesen.
              Willst ihm sein kleines Leben lassen,
              mußt du es leicht und zierlich fassen,
              nicht plump betasten und bedrücken,
              es stirbt oft schon an bösen Blicken -

              und liegt dann da, so ungestalt,
              so seelenlos, so arm und kalt,
              sein kleiner Leichnam arg verwandelt,
              von Tod und Sterben mißgehandelt.
              Ein totes Wort - ein häßlich Ding,
              ein klapperdürres Kling-Kling-Kling.

              Pfui allen häßlichen Gewerben,
              an denen Wort und Wörter sterben.


ÜBER WAHRHEIT UND LÜGE IM AUSSERMORALISCHEN SINN (Auszug)

Es ist merkwürdig, daß dies der Intellekt zustande bringt, er, der doch gerade nur als Hilfsmittel den unglücklichsten, delikatesten, vergänglichsten Wesen beigegeben ist, um sie eine Minute im Dasein festzuhalten, aus dem sie sonst, ohne jene Beigabe, so schnell wie Lessings Sohn zu flüchten allen Grund hätten.

„Jener mit dem Erkennen und Empfinden verbundene Hochmut, verblendende Nebel über die Augen und Sinne der Menschen legend, täuscht sich also über den Wert des Daseins, dadurch, daß er über das Erkennen selbst die schmeichelhafteste Wertschätzung in sich trägt. Seine allgemeinste Wirkung ist Täuschung – aber auch die einzelsten Wirkungen tragen etwas von gleichem Charakter an sich.

Der Intellekt als Mittel zur Erhaltung des Individuums entfaltet seine Hauptkräfte in der Verstellung; denn diese ist das Mittel, durch das die schwächeren, weniger robusten Individuen sich erhalten, als welchen einen Kampf um die Existenz mit Hörnern oder scharfem Raubtier-Gebiß zu führen versagt ist.“ „Im Menschen kommt diese Verstellungskunst auf ihren Gipfel: hier ist die Täuschung, das Schmeicheln, Lügen und Trügen, das Hinter-dem-Rücken-Reden, das Repräsentieren, das im erborgten Glanze leben, das Maskiertsein, die verhüllende Konvention, das Bühnenspiel vor anderen und vor sich selbst, kurz das fortwährende Herumflattern um die eine Flamme Eitelkeit so sehr die Regel und das Gesetz, daß fast nichts unbegreiflicher ist, als wie unter den Menschen ein ehrlicher und reiner Trieb zur Wahrheit aufkommen konnte.

Sie sind tief eingetaucht in Illusionen und Traumbilder, ihr Auge gleitet nur auf der Oberfläche der Dinge herum und sieht 'Formen', ihre Empfindung führt nirgends in die Wahrheit, sondern begnügt sich, Reize zu empfangen und gleichsam ein tastendes Spiel auf dem Rücken der Dinge zu spielen.

„Dazu läßt sich der Mensch nachts ein Leben hindurch im Traume belügen, ohne daß sein moralisches Gefühl dies je zu verhindern suchte: während es Menschen geben soll, die durch starken Willen das Schnarchen beseitigt haben. Was weiß der Mensch eigentlich von sich selbst! Ja, vermöchte er auch nur sich einmal vollständig, hingelegt wie in einen erleuchteten Glaskasten, zu perzipieren?“

Verschweigt die Natur ihm nicht das allermeiste, selbst über seinen Körper, um ihn, abseits von den Windungen der Gedärme, dem raschen Fluß der Blutströme, den verwickelten Fasererzitterungen, in ein stolzes gauklerisches Bewußtsein zu bannen und einzuschließen! Sie warf den Schlüssel weg: und wehe der verhängnisvollen Neubegier, die durch eine Spalte einmal aus dem Bewußtseinszimmer heraus und hinab zu sehen vermöchte und die jetzt ahnte, daß auf dem Erbarmungslosen, dem Gierigen, dem Unersättlichen, dem Mörderischen der Mensch ruht in der Gleichgültigkeit seines Nichtwissens und gleichsam auf dem Rücken eines Tigers in Träumen hängend. Woher, in aller Welt, bei dieser Konstellation der Trieb zur Wahrheit!“

Soweit das Individuum sich gegenüber andern Individuen erhalten will, benutzt es in einem natürlichen Zustand der Dinge den Intellekt zumeist nur zur Verstellung: weil aber der Mensch zugleich aus Not und Langeweile gesellschaftlich und herdenweise existieren will, braucht er einen Friedensschluß und trachtet danach, daß wenigstens das allergrößte bellum omnium contra omnes aus seiner Welt verschwinde.

„Dieser Friedensschluss bringt etwas mit sich, was wie der erste Schritt zur Erlangung jenes rätselhaften Wahrheitstriebes aussieht. Jetzt wird nämlich das fixiert, was von nun an „Wahrheit“ sein soll, das heißt, es wird eine gleichmäßig gültige und verbindliche Bezeichnung der Dinge erfunden, und die Gesetzgebung der Sprache gibt auch die ersten Gesetze der Wahrheit: denn es entsteht hier zum ersten Male der Kontrast von Wahrheit und Lüge.

Der Lügner gebraucht die gültigen Bezeichnungen, die Worte, um das Unwirkliche als wirklich erscheinen zu machen; er sagt zum Beispiel: ‚Ich bin reich‘, während für seinen Zustand gerade 'arm' die richtige Bezeichnung wäre.

„Er mißbraucht die festen Konventionen durch beliebige Vertauschungen oder gar Umkehrungen der Namen. Wenn er dies in eigennütziger und übrigens Schaden bringender Weise tut, so wird ihm die Gesellschaft nicht mehr trauen und ihn dadurch von sich ausschließen.“

„Die Menschen fliehen dabei das Betrogenwerden nicht so sehr als das Beschädigtwerden durch Betrug: sie hassen, auch auf dieser Stufe, im Grunde nicht die Täuschung, sondern die schlimmen, feindseligen Folgen gewisser Gattungen von Täuschungen.

In einem ähnlichen beschränkten Sinne will der Mensch auch nur die Wahrheit: er begehrt die angenehmen, Leben erhaltenden Folgen der Wahrheit, gegen die reine folgenlose Erkenntnis ist er gleichgültig, gegen die vielleicht schädlichen und zerstörenden Wahrheiten sogar feindlich gestimmt. Und überdies: wie steht es mit jenen Konventionen der Sprache? Sind sie vielleicht Erzeugnisse der Erkenntnis, des Wahrheitssinnes, decken sich die Bezeichnungen und die Dinge? Ist die Sprache der adäquate Ausdruck aller Realitäten?

Nur durch die Vergeßlichkeit kann der Mensch je dazu kommen zu wähnen, er besitze eine ‚Wahrheit‘ in dem eben bezeichneten Grade. Wenn er sich nicht mit der Wahrheit in der Form der Tautologie, das heißt mit leeren Hülsen begnügen will, so wird er ewig Illusionen für Wahrheiten einhandeln. "

Es bezeichnet nur die Relationen der Dinge zu den Menschen und nimmt zu deren Ausdruck die kühnsten Metaphern zu Hilfe... Ein Nervenreiz, zuerst übertragen in ein Bild! Erste Metapher.


DAS BILD WIRD NACHGEFORMT IN EINEM LAUT

„Zweite Metapher. Und jedesmal vollständiges Überspringen der Sphäre, mitten hinein in eine ganz andre und neue. Man kann sich einen Menschen denken, der ganz taub ist und nie eine Empfindung des Tones und der Musik gehabt hat: wie dieser etwa die chladnischen Klangfiguren im Sande anstaunt, ihre Ursachen im Erzittern der Saite findet und nun darauf schwören wird, jetzt müsse es wissen, was die Menschen den 'Ton' nennen, so geht es uns allen mit der Sprache.“

„Wir glauben etwas von den Dingen selbst zu wissen, wenn wir von Bäumen, Farben, Schnee und Blumen reden, und besitzen doch nichts als Metaphern der Dinge, die den ursprünglichen Wesenheiten ganz und gar nicht entsprechen.“

„Wie der Ton als Sandfigur, so nimmt sich das rätselhafte X des Dings an sich einmal als Nervenreiz, dann als Bild, endlich als Laut aus. Logisch geht es also jedenfalls nicht bei der Entstehung der Sprache zu, und das ganze Material, worin und womit später der Mensch der Wahrheit, der Forscher, der Philosoph arbeitet und baut, stammt, wenn nicht aus Wolkenkuckucksheim, so doch jedenfalls nicht aus dem Wesen der Dinge.

„Denken wir besonders noch an die Bildung der Begriffe. Jedes Wort wird sofort dadurch Begriff, daß es eben nicht für das einmalige ganz und gar individualisierte Urerlebnis, dem es sein Entstehen verdankt, etwa als Erinnerung dienen soll, sondern zugleich für zahllose, mehr oder weniger ähnliche, das heißt streng genommen niemals gleiche, also auf lauter ungleiche Fälle passen muß. Jeder Begriff entsteht durch Gleichsetzendes Nichtgleichen.

„So gewiß nie ein Blatt einem andern ganz gleich ist, so gewiß ist der Begriff Blatt durch beliebiges Fallenlassen dieser individuellen Verschiedenheiten, durch ein Vergessen des Unterscheidenden gebildet und erweckt nun die Vorstellung, als ob es in der Natur außer den Blättern etwas gäbe, das 'Blatt' wäre, etwa eine Urform, nach der alle Blätter gewebt, gezeichnet, abgezirkelt, gefärbt, gekräuselt, bemalt wären, aber von ungeschickten Händen, so daß kein Exemplar korrekt und zuverlässig als treues Abbild der Urform ausgefallen wäre.

„Wir nennen einen Menschen »ehrlich«; warum hat er heute so ehrlich gehandelt? fragen wir. Unsere Antwort pflegt zu lauten: seiner Ehrlichkeit wegen.“


DIE EHRLICHKEIT

„Das heißt wieder: das Blatt ist die Ursache der Blätter. Wir wissen ja gar nichts von einer wesenhaften Qualität, die 'die Ehrlichkeit' hieße, wohl aber von zahlreichen individualisierten, somit ungleichen Handlungen, die wir durch Weglassen des Ungleichen gleichsetzen und jetzt als ehrliche Handlungen bezeichnen; zuletzt formulieren wir aus ihnen eine qualitas occulta mit dem Namen: 'die Ehrlichkeit'.

Das Übersehen des Individuellen und Wirklichen gibt uns den Begriff, wie es uns auch die Form gibt, wohingegen die Natur keine Formen und Begriffe, also auch keine Gattungen kennt, sondern nur ein für uns unzugängliches und undefinierbares X.

Denn auch unser Gegensatz von Individuum und Gattung ist anthropomorphisch und entstammt nicht dem Wesen der Dinge, wenn wir auch nicht zu sagen wagen, daß er ihm nicht entspricht: das wäre nämlich eine dogmatische Behauptung und als solche ebenso unerweislich wie ihr Gegenteil.

WAS IST ALSO WAHRHEIT?

„Ein bewegliches Heer von Metaphern, Metonymien, Anthropomorphismen, kurz eine Summe von menschlichen Relationen, die, poetisch und rhetorisch gesteigert, übertragen, geschmückt wurden und die nach langem Gebrauch einem Volke fest, kanonisch und verbindlich dünken: die Wahrheiten sind Illusionen, von denen man vergessen hat, daß sie welche sind, Metaphern, die abgenutzt und sinnlich kraftlos geworden sind, Münzen, die ihr Bild verloren haben und nun als Metall, nicht mehr als Münzen, in Betracht kommen.“

Wir wissen immer noch nicht, woher der Trieb zur Wahrheit stammt: denn bis jetzt haben wir nur von der Verpflichtung gehört, die die Gesellschaft, um zu existieren, stellt: wahrhaft zu sein, das heißt die usuellen Metaphern zu brauchen, also moralisch ausgedrückt: von der Verpflichtung, nach einer festen Konvention zu lügen, herdenweise in einem für alle verbindlichen Stile zu lügen."

„Nun vergißt freilich der Mensch, daß es so mit ihm steht; er lügt also in der bezeichneten Weise unbewußt und nach hundertjährigen Gewöhnungen – und kommt eben durch diese Unbewußtheit, eben durch dies Vergessen zum Gefühl der Wahrheit.“

„An dem Gefühl, verpflichtet zu sein, ein Ding als 'rot', ein anderes als 'kalt', ein drittes als 'stumm' zu bezeichnen, erwacht eine moralische, auf Wahrheit sich beziehende Regung: aus dem Gegensatz des Lügners, dem niemand traut, den alle ausschließen, demonstriert sich der Mensch das Ehrwürdige, Zutrauliche und Nützliche der Wahrheit.

„Er stellt jetzt sein Handeln als ‚vernünftiges‘ Wesen unter die Herrschaft der Abstraktionen; er leidet es nicht mehr, durch die plötzlichen Eindrücke, durch die Anschauungen fortgerissen zu werden, er verallgemeinert alle diese Eindrücke erst zu entfärbteren, kühleren Begriffen, um an sie das Fahrzeug seines Lebens und Handelns anzuknüpfen."

„Alles, was den Menschen gegen das Tier abhebt, hängt von dieser Fähigkeit ab, die anschaulichen Metaphern zu einem Schema zu verflüchtigen, also ein Bild in einen Begriff aufzulösen. Im Bereich jener Schemata nämlich ist etwas möglich, was niemals unter den anschaulichen ersten Eindrücken gelingen möchte: eine pyramidale Ordnung nach Kasten und Graden aufzubauen, eine neue Welt von Gesetzen, Privilegien, Unterordnungen, Grenzbestimmungen zu schaffen, die nun der andern anschaulichen Welt der ersten Eindrücke gegenübertritt als das Festere, Allgemeinere, Bekanntere, Menschlichere und daher als das Regulierende und Imperativische.“

„Während jede Anschauungsmetapher individuell und ohne ihresgleichen ist und deshalb allem Rubrizieren immer zu entfliehen weiß, zeigt der große Bau der Begriffe die starre Regelmäßigkeit eines römischen Kolumbariums und atmet in der Logik jene Strenge und Kühle aus, die der Mathematik zu eigen ist.“

„Wer von dieser Kühle angehaucht wird, wird es kaum glauben, daß auch der Begriff, knöchern und achteckig wie ein Würfel und versetzbar wie jener, doch nur als das Residuum einer Metapher übrigbleibt, und daß die Illusion der künstlerischen Übertragung eines Nervenreizes in Bilder, wenn nicht die Mutter, so doch die Großmutter eines jeden Begriffs ist.“

"Innerhalb dieses Würfelspiels der Begriffe heißt aber "Wahrheit", jeden Würfel so zu gebrauchen, wie er bezeichnet ist, genau seine Augen zu zählen, richtige Rubriken zu bilden und nie gegen die Kastenordnung und gegen die Reihenfolge der Rangklassen zu verstoßen."

"Wie die Römer und Etrusker sich den Himmel durch starke mathematische Linien zerschnitten und in einem solchermaßen abgegrenzten Raum als in ein templum, einen Gott bannten, so hat jedes Volk über sich einen solchen mathematisch zerteilten Begriffshimmel und versteht nun unter der Forderung der Wahrheit, daß jeder Begriffsgott nur in seiner Sphäre gesucht werde."

"Man darf hier den Menschen wohl bewundern als ein gewaltiges Baugenie, dem auf beweglichen Fundamenten und gleichsam auf fließendem Wasser das Auftürmen eines unendlich komplizierten Begriffsdomes gelingt – freilich, um auf solchen Fundamenten Halt zu finden, muß es ein Bau wie aus Spinnefäden sein, so zart, um von der Welle mit fortgetragen, so fest, um nicht von jedem Winde auseinandergeblasen zu werden."

"Als Baugenie hebt sich solchermaßen der Mensch weit über die Biene: diese baut aus Wachs, das sie aus der Natur zusammenholt, er aus dem weit zarteren Stoff der Begriffe, die er erst aus sich fabrizieren muß. Er ist hier sehr zu bewundern – aber nur nicht wegen seines Triebes zur Wahrheit, zum reinen Erkennen der Dinge."

"Wenn jemand ein Ding hinter einem Busche versteckt, es ebendort wieder sucht und auch findet, so ist an diesem Suchen und Finden nicht viel zu rühmen: so aber steht es mit dem Suchen und Finden der 'Wahrheit' innerhalb des Vernunft-Bezirkes."

"Wenn ich die Definition des Säugetieres mache und dann erkläre nach Besichtigung eines Kamels: 'Siehe, ein Säugetier', so wird damit eine Wahrheit zwar ans Licht gebracht, aber sie ist von begrenztem Werte, ich meine, sie ist durch und durch anthropomorphisch und enthält keinen einzigen Punkt, der ‚wahr an sich‘, wirklich und allgemeingültig, abgesehen von dem Menschen, wäre.

„Der Forscher nach solchen Wahrheiten sucht im Grunde nur die Metamorphose der Welt in den Menschen, er ringt nach einem Verstehen der Welt als eines menschenartigen Dinges und erkämpft sich besten Falles das Gefühl einer Assimilation.“

"Ähnlich wie der Astrologe die Sterne im Dienste der Menschen und im Zusammenhange mit ihrem Glück und Leid betrachtete, so betrachtet ein solcher Forscher die ganze Welt als geknüpft an den Menschen, als den unendlich gebrochenen Wiederklang eines Urklanges, des Menschen, als das."

VERVIELFÄLTIGTE ABBILD DES EINEN URBILDES, DES MENSCHEN

"Sein Verfahren ist, den Menschen als Maß an alle Dinge zu halten: wobei er aber von dem Irrtum ausgeht, zu glauben, er habe diese Dinge unmittelbar, als reine Objekte vor sich. Er vergißt also die originalen Anschauungsmetaphern als Metaphern und nimmt sie als die Dinge selbst."

"Nur durch das Vergessen jener primitiven Metapherwelt, nur durch das Hart- und Starrwerden einer ursprünglichen, in hitziger Flüssigkeit aus dem Urvermögen menschlicher Phantasie hervorströmenden Bildermasse, nur durch den unbesiegbaren Glauben, diese Sonne, dieses Fenster, dieser Tisch sei eine Wahrheit an sich, kurz nur dadurch, daß der Mensch sich als Subjekt, und zwar als künstlerisch schaffendes Subjekt, vergißt, lebt er mit einiger Ruhe, Sicherheit und Konsequenz: wenn er einen Augenblick nur aus den Gefängniswänden dieses Glaubens herauskönnte, so wäre es sofort mit seinem 'Selbstbewusstsein' vorbei."

"Schon dies kostet ihn Mühe, sich einzugestehen, wie das Insekt oder der Vogel eine ganz andere Welt perzipieren als der Mensch, und daß die Frage, welche von beiden Weltperzeptionen richtiger ist, eine ganz sinnlose ist, da hierzu bereits mit dem Maßstabe der richtigen Perzeption, das heißt mit einem nicht vorhandenen Maßstabe, gemessen werden müßte."

"Überhaupt aber scheint mir ‚die richtige Perzeption‘ – das würde heißen: der adäquate Ausdruck eines Objekts im Subjekt – ein widerspruchsvolles Unding: denn zwischen zwei absolut verschiedenen Sphären, wie zwischen Subjekt und Objekt, gibt es keine Kausalität, keine Richtigkeit, keinen Ausdruck, sondern höchstens ein ästhetisches Verhalten, ich meine eine andeutende Übertragung, eine nachstammelnde Übersetzung in eine ganz fremde Sprache: wozu es aber jedenfalls einer frei dichtenden und frei erfindenden Mittelsphäre und Mittelkraft bedarf."

"Das Wort 'Erscheinung' enthält viele Verführungen, weshalb ich es möglichst vermeide: denn es ist nicht wahr, daß das Wesen der Dinge in der empirischen Welt erscheint.

"Ein Maler, dem die Hände fehlen und der durch Gesang das ihm vorschwebende Bildausdrücken wollte, wird immer noch mehr bei dieser Vertauschung der Sphären verraten, als die empirische Welt vom Wesen der Dinge verrät. Selbst das Verhältnis eines Nervenreizes zu dem hervorgebrachten Bilde ist an sich kein notwendiges: wenn aber dasselbe Bild millionenmal hervorgebracht und durch viele Menschengeschlechter hindurch vererbt ist, ja zuletzt bei der gesamten Menschheit jedesmal infolge desselben Anlasses erscheint, so bekommt es endlich für den Menschen dieselbe Bedeutung, als ob es das einzig notwendige Bild sei und als ob jenes Verhältnis des ursprünglichen Nervenreizes zu dem hergebrachten Bilde ein strenges Kausalitätsverhältnis sei: wie ein Traum, ewig wiederholt, durchaus als Wirklichkeit empfunden und beurteilt werden würde."

"Aber das Hart- und Starr-Werden einer Metapher verbürgt durchaus nichts für die Notwendigkeit und ausschließliche Berechtigung dieser Metapher."

"Es hat gewiß jeder Mensch, der in solchen Betrachtungen heimisch ist, gegen jeden derartigen Idealismus ein tiefes Mißtrauen empfunden, so oft er sich einmal recht deutlich von der ewigen Konsequenz, Allgegenwärtigkeit und Unfehlbarkeit der Naturgesetze überzeugte; er hat den Schluß gemacht: hier ist alles, soweit wir dringen, nach der Höhe der teleskopischen und nach der Tiefe der mikroskopischen Welt so sicher ausgebaut, endlos, gesetzmäßig und ohne Lücken; die Wissenschaft wird ewig in diesen Schachten mit Erfolg zu graben haben, und alles Gefundene wird zusammenstimmen und sich nicht widersprechen.

Wie wenig gleicht dies einem Phantasieerzeugnis: denn wenn es dies wäre, müßte es doch irgendwo den Schein und die Unrealität erraten lassen. Dagegen ist einmal zu sagen: hätten wir noch, jeder für sich, eine verschiedenartige Sinnesempfindung, könnten wir selbst nur bald als Vogel, bald als Wurm, bald als Pflanze perzipieren oder sähe der eine von uns denselben Reiz als rot, der andere als blau, hörte ein dritter ihn sogar als Ton, so würde niemand von einer solchen Gesetzmäßigkeit der Natur reden, sondern sie nur als ein höchst subjektives Gebilde begreifen."


EIN NATURGESTZ

"Sodann: was ist für uns überhaupt ein Naturgesetz? Es ist uns nicht an sich bekannt, sondern nur in seinen Wirkungen, das heißt in seinen Relationen zu andern Naturgesetzen, die uns wieder nur als Summen von Relationen bekannt sind."

"Also verweisen alle diese Relationen immer nur wieder aufeinander und sind uns ihrem Wesen nach unverständlich durch und durch; nur das, was wir hinzubringen, die Zeit, der Raum, also Sukzessionsverhältnisse und Zahlen, sind uns wirklich daran bekannt. Alles Wunderbare aber, das wir gerade an den Naturgesetzen anstaunen, das unsere Erklärung fordert und uns zum Mißtrauen gegen den Idealismus verführen könnte, liegt gerade und ganz allein nur in der mathematischen Strenge und Unverbrüchlichkeit der Zeit, und Raum-Vorstellungen."

"Diese aber produzieren wir in uns und aus uns mit jener Notwendigkeit, mit der die Spinne spinnt; wenn wir gezwungen sind, alle Dinge nur unter diesen Formen zu begreifen, so ist es dann nicht mehr wunderbar, daß wir an allen Dingen eigentlich nur eben diese Formen begreifen: denn sie alle müssen die Gesetze der Zahl an sich tragen, und die Zahl gerade ist das Erstaunlichste in den Dingen."

"Alle Gesetzmäßigkeit, die uns im Sternenlauf und im chemischen Prozeß so imponiert, fällt im Grunde mit jenen Eigenschaften zusammen, die wir selbst an die Dinge heranbringen, so daß wir damit uns selber imponieren."

"Dabei ergibt sich allerdings, daß jene künstlerische Metapherbildung, mit der in uns jede Empfindung beginnt, bereits jene Formen voraussetzt, also in ihnen vollzogen wird; nur aus dem festen Verharren dieser Urformen erklärt sich die Möglichkeit, wie nachher wieder aus den Metaphern selbst ein Bau der Begriffe konstituiert werden konnte. Dieser ist nämlich eine Nachahmung der Zeit-, Raum- und Zahlenverhältnisse auf dem Boden der Metaphern."

"An dem Bau der Begriffe arbeitet ursprünglich, wie wir sahen, die Sprache, in späteren Zeiten die Wissenschaft. Wie die Biene zugleich an den Zellen baut und die Zellen mit Honig füllt, so arbeitet die Wissenschaft unaufhaltsam an jenem großen Kolumbarium der Begriffe, der Begräbnisstätte der Anschauungen, baut immer neue und höhere Stockwerke, stützt, reinigt, erneut die alten Zellen und ist vor allem bemüht, jenes ins Ungeheure aufgetürmte Fachwerk zu füllen und die ganze empirische Welt, das heißt die anthropomorphische Welt, hinein zuordnen."


DER HANDELNDE MENSCH

„Wenn schon der handelnde Mensch sein Leben an die Vernunft und ihre Begriffe bindet, um nicht fortgeschwemmt zu werden und sich nicht selbst zu verlieren, so baut der Forscher seine Hütte dicht an den Turmbau der Wissenschaft, um an ihm mithelfen zu können und selbst Schutz unter dem vorhandenen Bollwerk zu finden.“

Und Schutz braucht er: denn es gibt furchtbare Mächte, die fortwährend auf ihn eindringen und die der wissenschaftlichen ‚Wahrheit‘ ganz anders geartete ‚Wahrheiten‘ mit den verschiedenartigsten Schildzeichen entgegenhalten.

"Jener Trieb zur Metapherbildung, jener Fundamentaltrieb des Menschen, den man keinen Augenblick wegrechnen kann, weil man damit den Menschen selbst wegrechnen würde, ist dadurch, daß aus seinen verflüchtigten Erzeugnissen, den Begriffen, eine reguläre und starre neue Welt als eine Zwingburg für ihn gebaut wird, in Wahrheit nicht bezwungen und kaum gebändigt."

"Er sucht sich ein neues Bereich seines Wirkens und ein anderes Flußbett und findet es im Mythus und überhaupt in der Kunst. Fortwährend verwirrt er die Rubriken und Zellen der Begriffe dadurch, daß er neue Übertragungen, Metaphern, Metonymien hinstellt, fortwährend zeigt er die Begierde, die vorhandene Welt des wachen Menschen so bunt unregelmäßig, folgenlos unzusammenhängend, reizvoll und ewig neu zu gestalten, wie es die Welt des Traumes ist."

„An sich ist ja der wache Mensch nur durch das starre und regelmäßige Begriffsgespinst darüber im klaren, daß er wache, und kommt eben deshalb mitunter in den Glauben, er träume, wenn jenes Begriffsgespinst einmal durch die Kunst zerrissen wird. Pascal hat recht, wenn er behauptet, daß wir, wenn uns jede Nacht derselbe Traum käme, davon ebenso beschäftigt würden als von den Dingen, die wir jeden Tag sehen: ‚Wenn ein Handwerker gewiß wäre, jede Nacht zu träumen, volle zwölf Stunden hindurch, daß er König sei, so glaube ich‘, sagt Pascal, ‚daß er ebenso glücklich wäre als ein König, welcher alle Nächte während zwölf Stunden träumte, er sei Handwerker.‘

„Der wache Tag eines mythisch erregten Volkes, etwa der älteren Griechen, ist durch das fortwährend wirkende Wunder, wie es der Mythus annimmt, in der Tat dem Traume ähnlicher als dem Tag des wissenschaftlich ernüchterten Denkers.“

"Wenn jeder Baum einmal als Nymphe reden oder unter der Hülle eines Stieres ein Gott Jungfrauen wegschleppen kann, wenn die Göttin Athene selbst plötzlich gesehn wird, wie sie mit einem schönen Gespann in der Begleitung des Pisistratus durch die Märkte Athens fährt – und das glaubte der ehrliche Athener –, so ist in jedem Augenblicke wie im Traume alles möglich, und die ganze Natur umschwärmt den Menschen, als ob sie nur die Maskerade der Götter wäre, die sich nur einen Scherz daraus machten, in allen Gestalten den Menschen zu täuschen."

"Der Mensch selbst aber hat einen unbesiegbaren Hang, sich täuschen zu lassen, und ist wie bezaubert vor Glück, wenn der Rhapsode ihm epische Märchen wie wahr erzählt oder der Schauspieler im Schauspiel den König noch königlicher agiert, als ihn die Wirklichkeit zeigt. Der Intellekt, jener Meister der Verstellung, ist so lange frei und seinem sonstigen Sklavendienste enthoben, als er täuschen kann, ohne zu schaden, und feiert dann seine Saturnalien."

"Nie ist er üppiger, reicher, stolzer, gewandter und verwegener: mit schöpferischem Behagen wirft er die Metaphern durcheinander und verrückt die Grenzsteine der Abstraktionen, so daß er zum Beispiel den Strom als den beweglichen Weg bezeichnet, der den Menschen trägt, dorthin, wohin er sonst geht. Jetzt hat er das Zeichen der Dienstbarkeit von sich geworfen: sonst mit trübsinniger Geschäftigkeit bemüht, einem armen Individuum, dem es nach Dasein gelüstet, den Weg und die Werkzeuge zu zeigen, und wie ein Diener für seinen Herrn auf Raub und Beute ausziehend, ist er jetzt zum Herrn geworden und darf den Ausdruck der Bedürftigkeit aus seinen Mienen wegwischen."

"Was er jetzt auch tut, alles trägt im Vergleich mit seinem früheren Tun die Verstellung, wie das frühere die Verzerrung an sich. Er kopiert das Menschenleben, nimmt es aber für eine gute Sache und scheint mit ihm sich recht zufrieden zu geben."

"Jenes ungeheure Gebälk und Bretterwerk der Begriffe, an das sich klammernd der bedürftige Mensch sich durch das Leben rettet, ist dem fertiggewordenen Intellekt nur ein Gerüst und ein Spielzeug für seine verwegensten Kunststücke: und wenn er es zerschlägt, durcheinanderwirft, ironisch wieder zusammensetzt, das Fremdeste paarend und das Nächste trennend, so offenbart er, daß er jene Notbehelfe der Bedürftigkeit nicht braucht und daß er jetzt nicht von Begriffen, sondern von Intuitionen geleitet wird…"


VERNÜNFTIGER UND INTIUTIVER MENSCH

"Von diesen Intuitionen aus führt kein regelmäßiger Weg in das Land der gespenstischen Schemata, der Abstraktionen: für sie ist das Wort nicht gemacht, der Mensch verstummt, wenn er sie sieht, oder redet in lauter verbotenen Metaphern und unerhörten Begriffsfügungen, um wenigstens durch das Zertrümmern und Verhöhnen der alten Begriffsschranken dem Eindrucke der mächtigen gegenwärtigen Intuition schöpferisch zu entsprechen."

"Es gibt Zeitalter, in denen der vernünftige Mensch und der intuitive Mensch nebeneinanderstehn, der eine in Angst vor der Intuition, der andere mit Hohn über die Abstraktion; der letztere ebenso unvernünftig, als der erstere unkünstlerisch ist. Beide begehren über das Leben zu herrschen; dieser, indem er durch Vorsorge, Klugheit, Regelmäßigkeit den hauptsächlichsten Nöten zu begegnen weiß, jener, indem er als ein 'überfroher Held' jene Nöte nicht sieht und nur das zum Schein und zur Schönheit verstellte Leben als real nimmt."

"Wo einmal der intuitive Mensch, etwa wie im älteren Griechenland, seine Waffen gewaltiger und siegreicher führt als sein Widerspiel, kann sich günstigenfalls eine Kultur gestalten und die Herrschaft der Kunst über das Leben sich gründen: jene Verstellung, jenes Verleugnen der Bedürftigkeit, jener Glanz der metaphorischen Anschauungen und überhaupt jene Unmittelbarkeit der Täuschung begleitet alle Äußerungen eines solchen Lebens."

„Weder das Haus noch der Schritt noch die Kleidung, noch der tönerne Krug verraten, daß die Notdurft sie erfand: es scheint so, als ob in ihnen allen ein erhabenes Glück und eine olympische Wolkenlosigkeit und gleichsam ein Spielen mit dem Ernste ausgesprochen werden sollte. Während der von Begriffen und Abstraktionen geleitete Mensch durch diese das Unglück nur abwehrt, ohne selbst aus den Abstraktionen sich Glück zu erzwingen, während er nach möglichster Freiheit von Schmerzen trachtet, erntet der intuitive Mensch, inmitten einer Kultur stehend, bereits von seinen Intuitionen, außer der Abwehr des Übels, eine fortwährend einströmende Erhellung, Aufheiterung, Erlösung."

„Freilich leidet er heftiger, wenn er leidet: ja er leidet auch öfter, weil er aus der Erfahrung nicht zu lernen versteht und immer wieder in dieselbe Grube fällt, in die er einmal gefallen. Im Leide ist er dann ebenso unvernünftig wie im Glück, er schreit laut und hat keinen Trost.“

"Wie anders steht unter dem gleichen Mißgeschick der stoische, an der Erfahrung belehrte, durch Begriffe sich beherrschende Mensch da! Er, der sonst nur Aufrichtigkeit, Wahrheit, Freiheit von Täuschungen und Schutz vor berückenden Überfällen sucht, legt jetzt, im Unglück, das Meisterstück der Verstellung ab wie jener im Glück; er trägt kein zuckendes und bewegliches Menschengesicht, sondern gleichsam eine Maske mit würdigem Gleichmaße der Züge, er schreit nicht und verändert nicht einmal seine Stimme: wenn eine rechte Wetterwolke sich über ihn ausgießt, so hüllt er sich in seinen Mantel und geht langsamen Schrittes unter ihr davon."(1895)


DER ANTICHRIST

Was ist gut? - Alles, was das gefühl der Macht, den Willen zur Macht selbst im Menschen erhöht.
Was ist schlecht? - Alles was aus der Schwäche stammt.
Was ist Glück? - Das Gefühl davon, daß die Macht wächst, daß ein Widerstand überwunden wird.
Nicht Zufreidenheit, sondern mehr Macht; nicht Friede überhaupt, sondern Krieg; nicht Tugend, sondern Tüchtigkeit (Tugend im Renaissance-Stile, virtú, moralinfrei Tufgend.)
Die Schwachen und Mißratnen sollen zugrunde gehn:; erster Satz unsrer Menschenliebe. Und man soll ihnen noch dazu helfen.
Was ist schädlicher als irgenein Laster? - Das Mitleiden der Tat mit einem Mißratnen und Schwachen: - Das Christentum... nacht was die menschheit ablösen soll in der Rheienfolge der Wesen, ist das problem, das ich hiermit stelle (- der Mensch ist ein Ende -) : sondern welchen Typus Mensch man züchten soll, wollen soll, als den höherwertigeren, lebenswürdigen, zukunftgewisseren.

Dieser höherwertigere Typus ist oft genug schon dagewesen: aber als ein Glücksfall, als eine Ausnahme, niemals als gewollt. Vielmehr ist er gerade am besten gefürchtet worden, er war bisher beinahme das Furchtbare; - und aus der Furcht heraus wurde der umgekehrte Typus gewollt, gezüchtet, erreicht: da Haustier, das Herdentier, das karnke Tier Mensch, - der Christ...

Die Menschheit stellt nicht eine Entwicklung zum Besseren oder Stärkeren oder Höheren dar, in der Weise, wie es heutre geglaubt wird. Der "Fortschritt" ist bloß eine moderne Idee, das heißt eine falsche Idee.
Der Europäer von heute bleibt in seinem Werte tief unter dem Europäer der Renaissance;
Fortentwicklung ist schlechterdings nicht mit irgendwelcher Notwendigkeit Erhöhung, Steigerung, Verstärkung.

In einem anderen Sinne gibt es ein fortwährendes Gelingen einzelner Fälle an den verschiedersten Stellen der Erde und aus den verschiedersten Kulturen heraus, mitdenen in der Tat sich ein höherer Typus darstellt: etwas, das im Verhältnis zur gesamt-Menschheit eine Art Übermensch ist. Solche Glücksfälle des großen gelinges waren immer mögflich und werden vielleicht immer möglich sein. Und selbst ganze Geschlechter, Stämme,Völker können unter Umständen einen solchen Treffer dastellen.

Man soll das Christentum nicht schmücken und herausputzen: es hat einen Todkrieg gegen diesen höheren Typus Mensch gemacht, es hat alle Grundinstinkte dieses Typus in Bann getan, es hat aus diesen Instinkten das Böse, den Bösen herausdestilliert : der starke Mensch als der typisch Verwerfliche, der "verworfene Mensch"

Das Christentum hat die Partei alles Schwachen, Niedrigen, Mißratanen genommen, es hat ein ideal auch dem Widerspruch gegen die Erhaltung-Instinkte des Starken Lebens gemacht; es hat die Vernunft selbst der geistig stärksten Naturen verdorben, indem es die obersten Werte der Geistigkeit als sündhaft, als irreführend, als Versuchungen empfinden lehrte. Das jammervollste beispiel: die Verdebnis Pascals, der an die Verderbnis seiner Vernunft durch die Erbsünde glaubte, während sie nur durch sein Christentum verdorben war!

Es ist ein schmerzliches, ein schauerliches Schauspiel, das mir aufgegangen ist: ich zog den Vorhang weg von der Verdorbenheit des Menschen. Dies Wort, in meinem Munde, ist wenigstens gegen einen Verdacht geschützt: daß es eine moralische Anklage des Menschen enthalte. Es ist - ich möchte es nochmals unterstreichen - moralinfrei gemeint: und dies bis zu dem Grade, daß jene Verdorbenheit gerade dort von mir am stärksten empfunden wird, wo man bisher am bewußtesten zur "Tugend", zur "Göttlichkeit" aspirierte. Ich verstehe Verdorbenheit, man errät es bereits, im Sinne von Décadence: meine Behauptung ist, daß alle Werte, in denen jetzt die Menschheit ihre oberste Wünschbarkeit zusammenfaßt, Décadence-Werte sind.

Ich nenne ein Tier, eine Gattung, ein Individuum verdorben, wenn es seine Instinkte verliert, wenn es wählt, wenn es vorsieht, was ihm nachteilig ist. Eine Geschichte der "höheren Gefühle", der "Ideale der Menschheit"- und es ist möglich, daß ich sie erzählen muß - wäre beinahe auch die Erklärung dafür, weshalb der Mensch so verdorben ist. Das Leben selbst gilt mir als Instinkt für Wachstum, für Dauer, für Häufung von Kräften, für Macht: wo der Wille zur Macht fehlt, gibt es Niedergang. Meine Behauptung ist, daß allen obersten Werten der Menschheit dieser Wille fehlt, - daß Niedergangs-Werte, nihilistische Werte unter den heiligsten Namen die Herrschaft führen.

Man nennt das Christentum die Religion des Mitleidens Das Mitleiden steht im Gegensatz zu den tonischen Affekten, welche die Energie des Lebensgefühls erhöhn: es wirkt depressiv. Man verliert Kraft, wenn man mitleidet. Durch das Mitleiden vermehrt und vervielfältigt sich die Einbuße an Kraft noch, die an sich schon das Leiden dem Leben bringt. Das Leiden selbst wird durch das Mitleiden ansteckend; unter Umständen kann mit ihm eine Gesamt-Einbuße an Leben und Lebens-Energie erreicht werden, die in einem absurden Verhältnis zum Quantum der Ursache steht (- der Fall vom Tode des Nazareners).

Das ist der erste Gesichtspunkt; es gibt aber noch einen wichtigeren. Gesetzt, man mißt das Mitleiden nach dem Werte der Reaktionen, die es hervorzubringen pflegt, so erscheint sein lebensgefährlicher Charakter in einem noch viel helleren Lichte. Das Mitleiden kreuzt im Ganzen, Großen das Gesetz der Entwicklung, welches das Gesetz der Selektion ist. Es erhält, was zum Untergange reif ist, es wehrt sich zugunsten der Enterbten und Verurteilten des Lebens, es gibt durch die Fülle des Mißratnen aller Art, das es im Leben festhält, dem Leben selbst einen düsteren und fragwürdigen Aspekt. Man hat gewagt, das Mitleiden eine Tugend zu nennen (- in jeder vornehmen Moral gilt es als Schwäche-); man ist weiter gegangen, man hat aus ihm die Tugend, den Boden und Ursprung aller Tugenden gemacht, - nur freilich, was man stets im Auge behalten muß, vom Gesichtspunkte einer Philosophie aus, welche nihilistisch war, welche die Verneinung des Lebens auf ihr Schild schrieb.

Schopenhauer war in seinem Rechte damit: durch das Mitleid wird das Leben verneint, verneinungswürdiger gemacht, - Mitleiden ist die Praxis des Nihilismus. Nochmals gesagt: dieser depressive und kontagiöse Instinkt kreuzt jene Instinkte, welche auf Erhaltung und Wert-Erhöhung des Lebens aus sind: er ist ebenso als Multiplikator des Elends wie als Konservator alles Elenden ein Hauptwerkzeug zur Steigerung der decadence, - Mitleiden überredet zum Nichts! ... Man sagt nicht "Nichts": man sagt dafür "Jenseits"; oder "Gott"; oder "das wahre Leben"; oder Nirvana, Erlösung, Seligkeit ... Diese unschuldige Rhetorik aus dem Reich der religiös-moralischen Idiosynkrasie erscheint sofort viel weniger unschuldig, wenn man begreift, weiche Tendenz hier den Mantel sublimer Worte um sich schlägt: die lebensfeindliche Tendenz.

Schopenhauer war lebensfeindlich: deshalb wurde ihm das Mitleid zur Tugend ... Aristoteles sah, wie man weiß, im Mitleiden einen krankhaften und gefährlichen Zustand, dem man gut täte, hier und da durch ein Purgativ beizukommen: er verstand die Tragödie als Purgativ. Vom Instinkte des Lebens aus müßte man in der Tat nach einem Mittel suchen, einer solchen krankhaften und gefährlichen Häufung des Mitleides, wie ihn der Fall Schopenhauers (und leider auch unsrer gesamten literarischen und artistischen décadens von St. Petersburg bis Paris, von Tolstoi bis Wagner) darstellt, einen Stich zu versetzen; damit sie platzt...

Nicht ist ungesunder, inmitten unsrer ungesunden Modernität, als das christliche Mitleid. Hier Arzt sein, hier unerbittlich sein, hier das Messer führen - das gehört zu uns, das ist unsre Art Menschenliebe, damit sind wir Philosophen, wir Hyperboräer!..

Der reine Geist ist die reine Lüge... Solange der Priester noch als eine höhere Art Mensch gilt, dieser Verneiner, Verleumder, Vergifter des Lebens von Beruf, gibt es keine Antwort auf die Frage: was ist Wahrheit? Man bat bereits die Wahrheit auf den Kopf gestellt, wenn der bewußte Advokat des Nichtsund der Verneinung als Vertreter der "Wahrheit" gilt.

Diesem Theologen-Instinkte mache ich den Krieg: ich fand seine Spur überall. Wer Theologen-Blut im Liebe hat, steht von vornherein zu allen Dingen schief und unehrlich. Das Pathos, das sich daraus entwickelt, heißtsich Glaube: das Auge eine für allemal vor sich schließen, um nicht am Aspekt unheilbarer Falschheit zu leiden.

Man macht bei sich eine Moral, eine Tugend, eine Heiligkeit aus dieser fehlerhaften Optik zu allen Dingen, man knüpft das gute Gewisseb an das falschsehen,- man fordert, daß keine andre Art Optik mehr Wert haben.


EIN WORT NOCH GEGEN KANT ALS MORALIST

Eine Tugend muß unsre Erfindung sein, unsre persönlichste Notwehr und Notdurft: in jedem andren Sinne ist sie bloß eine Gefahr.
Was nicht unser Leben bedingt, schadet ihm: eine Tugend bloß aus einem Respekts-Gefühle vor dem Begriff "Tugend", wie Kant es wollte, ist schädlich. Die "Tugend", die "Pflicht", das "Gute an sich", das Gute mit dem Charakter der Unpersönlichkeit und Allgemeingültigkeit - Hirngespinste, in denen sich der Niedergang, die letzte Entkräftung des Lebens, das Königsberger Chinesentum ausdrückt. Das Umgekehrte wird von den tiefsten Erhaltungs- und Wachstumsgesetzen geboten: daß jeder sich seine Tugend, seinen kategorischen Imperativ erfinde.

Ein Volk geht zugrunde, wenn es seine Pflicht mit dem Pflichtbegriff überhaupt verwechselt. Nichts ruiniert tiefer, innerlicher, als jede "unpersönliche" Pflicht, jede Opferung vor dem Moloch der Abstraktion. - Daß man den kategorischen Imperativ Kants nicht als lebensgefährlich empfunden hat! ...

Der Theologen-Instinkt allein nahm ihn in Schutz! - Eine Handlung, zu der der Instinkt des Lebens zwingt, hat in der Lust ihren Beweis, eine rechte Handlung zu sein: und jener Nihilist mit christlich-dogmatischen Eingeweiden verstand die Lust als Einwand ... Was zerstört schneller, als ohne innere Notwendigkeit, ohne eine tief persönliche Wahl, ohne Lust arbeiten, denken, fühlen? Als Automat der "Pflicht"?

Es ist geradezu das Rezept zur décadence, selbst zum Idiotismus . . . Kant wurde Idiot.

Und das war der Zeitgenosse Goethes! Dies Verhängnis von Spinne galt als der deutsche Philosoph, - gilt es noch! ... Ich hüte mich zu sagen, was ich von den Deutschen denke... Hat Kant nicht in der französischen Revolution den Übergang aus der unorganischen Form des Staats in die organische gesehn? Hat er sich nicht gefragt, ob es eine Begebenheit gibt, die gar nicht anders erklärt werden könne als durch eine moralische Anlage der Menschheit, so daß mit ihr, ein für allemal, die "Tendenz der Menschheit zum Guten" bewiesen sei? Antwort Kants: "das ist die Revolution". Der fehlgreifende Instinkt in allem und jedem, die Widernatur als Instinkt, die deutsche décadence als Philosophie - das ist Kant! -

Ich nehme ein paar Skeptiker beiseite, den anständigen Typus in der Geschichte der Philosophie: aber der Rest kennt die ersten Forderungen der intellektuellen Rechtschaffenheit nicht. Sie machen es allesamt wie die Weiblein, alle diese großen Schwärmer und Wundertiere, - sie halten die "schönen Gefühle" bereits für Argumente, den "gehobenen Busen" für einen Blasebalg der Gottheit, die Überzeugung für ein Kriterium der Wahrheit. Zuletzt hat noch Kant, in"deutscher" Unschuld, diese Form der Korruption, diesen Mangel an intellektuellen Gewissen unter den Begriff "praktische Vernunft" zu wissenschaftlicen versucht: er erfand eigens eine Vernunft dafür, in welchem Falle man sich nicht um die Vernunft zu kümmern habe, nämlich, wenn die Moral, wenn die erhabene Forderung "du sollst" laut wird.

Erwegt man, daß fast bei allen Völkern der Philosph nur die Weiterentwicklung des pristerlichen Typus ist, so überraschtdieses Erbstück des Priesters, die Falschmünzerei vor sich selbst, nicht mehr. Wenn man heilige Aufgaben hat, zum Beispiel die Menschen zu bessern, zu retten, zu erlösen, wenn man die Gottheit im Busen trägt Mundstück jenseitigfer Imperative ist, so steht man mit einer solchen Mission bereits außerhalb aller bloß verstandesmäßigen Wertungen, - selbst schon geheiligt durch eine solche Aufgabe, selbst schon der Typus einer höheren Ordnung! Was geht einen Priester die Wissenschaft an! Er steht zu hoch dafür! Und der priester hat bisher geherrscht - Er bestimmte den Begriff "wahr" und "unwahr"!


WIR HABEN UMGELERNT

Wir sind in allen Stücken beschneiden geworden. Wir leiten den Menschen nicht mehr vom "Geist", vor der "Gottheit" ab, wir haben ihn unter der Tiere zurückgestellt. Er gilt uns als stärkste Tier, weil er das listigste ist: eine Folge davon ist seine Gesitigkeit.... Der Mensch ist, relativ genommen, das mißratenste Tiser, das krankhafteste, das von seinen Instinkten am gefährlichsten abgeirrte - freilichm mit alle dem, auch das interessanteste..."

"Das "reine Geist" ist eine reine Dummheit: rechnen wir das Nervensystem und die Sinne ab, die "sterbliche Hülle", so verrechnen wir uns - weiter nichts!..."

"Weder die Moral noch die Religion berührt sich im Christentume mit irgendeinem Punkte der Wirklichkeit. Lauter imaginere Ursachen ("Gott", "Seele", "Ich", "Geist", "der freie Wille" - oder auch "der unfreie"); lauter imaginäre "Wirkungen" /"Sünde", "Erlösung", "Gnade", "Strafe", "Vergebung" der Sünde"). Ein Verkehr zwischen imaginären "Wesen" ("Gott", "Geister", "Seelen"); eine imaginäre Naturwissenschaft (antropozentrisch); völlige Mangel des Befriges der natürlichen Ursachen); eine imaginäre "Psychologie" (lauter Selbst-Mißverständnisse, Interpretationen angenehmer oder unangenehmer Allgemeingefühle, z. B. der Zustände des nervus sympathicus, mit Hilfe der Zeichnsprache religiös-morlischen Idiosynkrasie, - "Reue", "Gewissenbiß", "Versuchung des Teufels", "die Nähe Gottes"); eine imaginäre Teleologie ("das Reich Gottes", "das Jüngste Gericht", "das ewige Leben") - Diese reine Fiktionswelt unterscheidet sich dadurch sehr zu ihren Ungunsten von der traumwelt, daß letztere die Wirklichkeit widerspiegelt, während sie die Wirklichkeit fälscht, entwertet, verneint.

Nachdem erst der Begriff "Natur" als Gegenbegriff zu "Gott" erfunden war, mußte "natürlich" das Wort sein für "verwerflich" - jene ganze Fiktions-Welt hat ihre Wurzel im Haß gegen das Natürliche (-die Wirklichkeit! - ), sie ist der Ausdruck eines tiefen Mißbehagens am Wirklichen..."


KRITIK DES CHRISTLICHEN GOTTESBEGRIFFS

"Ein Volk, das noch an sich selbst glaubt, hat noch seinen eigenen Gott. In ihm verhert es die Bedingungen, durch die es obenauf ist, seine Tugenden, - es projiziert seine Lust an sich, sein Machtgefühl in einem Wesen, dem man dafür danken kann. Wer reicht ist, will abgeben; ein stolzes Volk braucht einen Gott, um zu opfern...

Religion, innerhalb solcher Voraussetzungen, ist eine Form der Dankbarkeit. Man ist für sich selber dankbar: dazu braucht man einen Gott. Ein solcher Gott muß nützen und schaden können, muß Freud und Feind sein können, - man bewundert ihn im Guten wie im Schlimmen. Die wiedernatürliche Kastration eines Gottes zu einen Gotte bloß des Guten läge hier außerhalb aller Wünschbarkeit. Man hat den bösen Gott so nötig als den guten: man verdankt ja die eigene Existenz nicht gerade der Toleranz, der Menschenfreundlichkeit...

Was lege an einem Gotte, der nicht Zorn, Rache, Neid, Hohn, List, Gewalttat kennte? den vielleicht nicht einmal entzückenden ardeurs des Siegs und der Vernichtung bekannt wären? Man würde einen solchen Gott nicht verstehen: wozu sollte man ihn haben? - Freilich: wenn ein Volk zugrunde geht; wenn es den Glauben an Zukunft, seine Hoffnung auf Freiheitendgültig schwinden fühlt; wenn ihm die Unterwerfung als erste Nützlichkeit, die Tugenden der Unterworfenen als Erhaltungsbedingungen ins Bewußtsein treten, dann muß sich auch sein Gott verändern. Es wird jetzt Duchmäuser, furchsam, bescheiden,rät zum "Frieden der Seele", zum Nicht-mehr-Hassen, zur Nachsicht, zur "Liebe" selbst gegen Freund und Feind. Er moralisiert beständig, er kriecht in die Höhle jeder Privattugend, wird Gott für jedermann, wird Privatmann, wird Kosmopolit...

"...Ehemals stellte er ein Volk, die Stärke eines Volkes, alles Aggressive und Machdurstige aus der Seele eines Volkes dar: jetzt ist es er bloß noch der gute Gott... In der Tat, es gibt keine ander Alternative für Götter: entweder sind sie der Wille zur Macht - und solange werden sie Volksgötter sein -, oder aberdie Ohnmacht zur Macht - und dann werden sie notwendig gut...


FRANCESCO NITTI (geb. 1949)

„Frankreich hat den Deutschen Demütigungen und Leiden auferlegt, wie die siegreichen Deutschen es nie versuchten. Was wäre 1815 und 1870 aus Frankreich geworden, wenn die Deutschen so verfahren hätten, wie die Franzosen heute mit Deutschland verfahren?“ (1919)


WERNER NIXDORF

"Was ist das für ein Volk, das seine 'Großvätergeneration' in Ausstellungen als Mörder verunglimpft und gleichzeitig seine 'Enkelgeneration' als 'Fremdenlegionäre der US-Polizei' in dieselben Partisanengebiete schickt?"


CHAIM NOLL (geb. 1954)

„Einen richtigen Abschied erkennt man daran, dass er nicht mehr weh tut.“ (Über den Juden, 1979)




ERNST NOLTE (geb. 1923)

"Im Begriff des "jüdischen Bolschewismus" steckt nicht nur eine Anklage. Er enthält vielmehr eine tiefgreifende Frage. Alle "Philosemiten" sind diese Frage nicht gewachsen; weil sie die meinung zugrundelegenden, die Juden seine im 20. Jahrhundert ein Volk oder einer Konfession geworden, dessen oder deren Angehörige nur den Wunsch hatten, ein ruhiges und unangefochtenes Leben zu führen, so daß bloß oder "Wahnsinnigen" auf den Gedanken kommen könnten, einen Angriff gegen sie zu führen."

"Da ist darin eine eklatante herabwürdigung eines welthistorisches Volkes und einer singulären Situation zu sehen ist, geht diesen wohlmeinenden Menschen nicht auf. Die Frage nach dem Mythos vom "jüdischen Bolschewismus" konnte und sollte auch darin führen, daß ein Empfinden für den eigenartigen "Anti-Semitismus" dieser Philosemiten entsteht."

"Es gibt kaum einen wichtigeren und folgenreicheren Mythos als den von dem "jüdischen Bolschewismus"- Aber die konkreten Erfahrungen, die ihm zugrundelagen, sind grpündlicher vergessen oder verdrängt worde als im Falle aller vergleichbareb Mythen." (Vorwort zum Buch von Johannes Rogalla v. Biberstein "Jüdiser Bolschewismus", 2002)

„Je eindeutiger sich die Bundesrepublik Deutschland und die westliche Gesellschaft überhaupt zur "Wohlstandsgesellschaft" entwickeln, umso befremdender wird das Bild des Dritten Reiches mit seiner Ideologie der kriegerischen Opferbereitschaft, der Maxime "Kanonen statt Butter", der bei Schulfesten im Chor heraus geschmetterten Edda-Zitate wie "Unser Tod wird ein Fest".

Alle Menschen sind heute Gesinnungspazifisten, aber sie können gleichwohl nicht aus sicherer Distanz auf den Bellizismus der Nationalsozialisten blicken, denn sie wissen, daß die beiden Supermächte Jahr für Jahr weitaus mehr für ihre Rüstung ausgeben, als Hilter von 1933 bis 1939 ausgegeben hatte, und so bleibt eine tiefe Unsicherheit, die den Feind lieber im Eindeutigen anklagt als in der Verwirrung der Gegenwart. „

„Der Anspruch Hitlers auf "Weltherrschaft" muß sich um so ungeheuerlicher ausnehmen, je unzweideutiger sich herausstellt, daß die Bundesrepublik in der Weltpolitik allenfalls die Rolle eines Staates von mittlerer Größenordnung spielen kann - "Harmlosigkeit" jedoch wird ihr gleichwohl nicht attestiert, und an vielen Stellen ist die Befürchtung noch lebendig, sie könne zwar nicht zur Ursache, aber doch zum Ausgangspunkt eines dritten Weltkriegs werden. „

„Mehr als alles andere trug indessen die Erinnerung an die "Endlösung" zum Nichtvergehen der Vergangenheit bei, denn die Ungeheuerlichkeit der fabrikmäßigen Vernichtung von mehreren Millionen Menschen mußte umso unfassbarer werden, je mehr die Bundesrepublik Deutschland durch ihre Gesetzgebung sich der Vorhut unter den humanitären Staaten hinzugesellte.“

„Ich führe einige dieser Argumente oder Fragen an, um dann einen Begriff desjenigen "Verfehlens" zu entwickeln, das nach meiner Auffassung das entscheidende ist, und diejenige "Auseinandersetzung" zu umreißen, die von einem "Schlussstrich" ebenso weit entfernt ist wie von der immer wieder beschworenen "Bewältigung"…

"Die Rede von der "Schuld der Deutschen" übersieht allzu beflissen die Ähnlichkeit mit der Rede von der "Schuld der Juden", die ein Hauptargument der Nationalsozialisten war. Alle Schuldvorwürfe gegen "die Deutschen", die von Deutschen kommen, sind unaufrichtig, da die Ankläger sich selbst oder die Gruppe, die sie vertreten, nicht einbeziehen und im Grunde bloß den alten Gegnern einen entscheidenden Schlag versetzen wollen."

„Eine voreilige Äußerung eines Bundestagsabgeordneten zu gewissen Forderungen der Sprecher jüdischer Organisationen oder das Ausgleiten eines Kommunalpolitikers in eine Geschmacklosigkeit werden zu Symptomen von "Antisemitismus" aufgebauscht, als wäre jede Erinnerung an den genuinen und keineswegs schon nationalsozialistischen Antisemitismus der Weimarer Zeit verschwunden, und um die gleiche Zeit läuft im Fernsehen der bewegende Dokumentarfilm "Shoah" eines jüdischen Regisseurs, der es in einigen Passagen wahrscheinlich macht, daß auch die SS-Mannschaften der Todeslager auf ihre Art Opfer sein mochten und daß es andererseits unter den polnischen Opfern des Nationalsozialismus virulenten Antisemitismus gab. „

„Für den Historiker ist eben dies die beklagenswerteste Folge des "Nichtvergehens" der Vergangenheit: daß die einfachsten Regeln, die für jede Vergangenheit gelten, außer Kraft gesetzt zu sein scheinen, nämlich daß jede Vergangenheit mehr und mehr in ihrer Komplexität erkennbar werden muß, daß der Zusammenhang immer besser sichtbar wird, in den sie verspannt war, daß die Schwarz-Weiß-Bilder der kämpfenden Zeitgenossen korrigiert werden, daß frühere Darstellungen einer Revision unterzogen werden.

Genau diese Regel aber erscheint in ihrer Anwendung auf das Dritte Reich "volkspädagogisch gefährlich": Könnte sie nicht zu einer Rechtfertigung Hitlers oder mindestens zu einer "Exkulpation der Deutschen" führen?“

„Zieht dadurch nicht die Möglichkeit herauf, daß die Deutschen sich wieder mit dem Dritten Reich identifizieren, wie sie es ja in ihrer großen Mehrheit mindestens während der Jahre 1935 bis 1939 getan haben, und daß sie die Lektion nicht lernen, die ihnen von der Geschichte aufgetragen worden ist?

Was konnte Männer, die einen Völkermord, mit dem sie in nahe Berührung kamen, als "asiatisch" empfanden, dazu veranlassen, selbst einen Völkermord von noch grauenvollerer Natur zu initiieren?“

„Es gibt erhellende Schlüsselworte. Eins davon ist das folgende: Als Hitler am 1. Februar 1943 die Nachricht von der Kapitulation der 6. Armee in Stalingrad erhielt, sagte er in der Lagebesprechung gleich voraus, daß einige der gefangenen Offiziere in der sowjetischen Propaganda tätig werden würden: "Sie müssen sich vorstellen, er (ein solcher Offizier) kommt nach Moskau hinein, und stellen Sie sich den "Rattenkäfig" vor. Da unterschreibt er alles. Er wird Geständnisse machen, Aufrufe machen... Die Kommentatoren geben die Erläuterung, mit "Rattenkäfig" sei die Lubjanka gemeint. Ich halte das für falsch…“

„In George Orwells "1984" wird beschrieben, wie der Held Winston Smith durch die Geheimpolizei des "Großen Bruders" nach langen Folterungen endlich gezwungen wird, seine Verlobte zu verleugnen und damit auf seine Menschenwürde Verzicht zu tun. Man bringt einen Käfig vor seinen Kopf, in dem eine vor Hunger halb irrsinnig gewordene Ratte sitzt. Der Vernehmungsbeamte droht, den Verschluss zu öffnen, und da bricht Winston Smith zusammen.

Diese Geschichte hat Orwell nicht erdichtet, sie findet sich an zahlreichen Stellen der antibolschewistischen Literatur über den russischen Bürgerkrieg, unter anderem bei dem als verlässlich geltenden Sozialisten Melgunow. Sie wird der "chinesischen TscheKa" zugeschrieben.“

„Es ist ein auffallender Mangel der Literatur über den Nationalsozialismus, daß sie nicht weiß oder nicht wahrhaben will, in welchem Ausmaß all dasjenige, was die Nationalsozialisten später taten, mit alleiniger Ausnahme des technischen Vorgangs der Vergasung, in einer umfangreichen Literatur der frühen zwanziger Jahre bereits beschrieben war: Massendeportationen und -erschießungen, Folterungen, Todeslager, Ausrottungen ganzer Gruppen nach bloß objektiven Kriterien, öffentliche Forderungen nach Vernichtung von Millionen schuldloser, aber als "feindlich" erachteter Menschen.

Es ist wahrscheinlich, daß viele dieser Berichte übertrieben waren. Es ist sicher, daß auch der "weiße Terror" fürchterliche Taten vollbrachte, obwohl es in seinem Rahmen keine Analogie zu der postulierten "Ausrottung der Bourgeoise" geben konnte?...“

War nicht der "Archipel GULag" ursprünglicher als "Auschwitz"?

War nicht der "Klassenmord" der Bolschewiki das logische und faktische Prius des "Rassenmords" der Nationalsozialisten? Sind Hitlers geheimste Handlungen nicht gerade auch dadurch zu erklären, daß er den "Rattenkäfig" nicht vergessen hatte? Rührte Auschwitz vielleicht in seinen Ursprüngen aus einer Vergangenheit her, die nicht vergehen wollte?

„Man braucht das verschollene Büchlein von Melgunow nicht gelesen zu haben, um solche Fragen zu stellen. Aber man scheut sich, sie aufzuwerfen, und auch ich habe mich lange Zeit gescheut, sie zu stellen. Sie gelten als antikommunistische Kampfthesen oder als Produkte des kalten Krieges. Sie passen auch nicht recht zur Fachwissenschaft, die immer engere Fragestellungen wählen muß. Aber sie beruhen auf schlichten Wahrheiten. Wahrheiten willentlich auszusparen, mag moralische Gründe haben, aber es verstößt gegen das Ethos der Wissenschaft.

…daß sich trotz aller Vergleichbarkeit die biologischen Vernichtungsaktionen des Nationalsozialismus qualitativ von der sozialen Vernichtung unterschieden, die der Bolschewismus vornahm. Aber so wenig wie ein Mord, und gar ein Massenmord, durch einen anderen Mord "gerechtfertigt" werden kann, so gründlich führt doch eine Einstellung in die Irre, die nur auf den einen Mord und den einen Massenmord hinblickt und den anderen nicht zur Kenntnis nehmen will, obwohl ein kausaler Nexus wahrscheinlich ist.“

„Wer sich diese Geschichte nicht als Mythologem, sondern in ihren wesentlichen Zusammenhängen vor Augen stellt, der wird zu einer zentralen Folgerung getrieben: Wenn sie in all ihrer Dunkelheit und in all ihren Schrecknissen, aber auch in der verwirrenden Neuartigkeit, die man den Handelnden zugutehalten muß, einen Sinn für die Nachfahren gehabt hat, dann muß er im Freiwerden von der Tyrannei des kollektivistischen Denkens bestehen…

Das sollte zugleich die entschiedene Hinwendung zu allen Regeln einer freiheitlichen Ordnung bedeuten, einer Ordnung, welche die Kritik zuläßt und ermutigt, soweit sie sich auf Handlungen, Denkweisen und Traditionen bezieht, also auch auf Regierungen und Organisationen aller Art, die aber die Kritik an Gegebenheiten mit dem Stigma des Unzulässigen versehen muß, von denen die Individuen sich nicht oder nur unter größten Anstrengungen lösen können, als die Kritik an "den" Juden, "den" Russen, "den" Deutschen oder "den" Kleinbürgern.

Sofern die Auseinandersetzungen mit dem Nationalsozialismus gerade von diesem kollektivistischen Denken geprägt sind, sollte endlich ein Schlussstrich gezogen werden.

„Es ist nicht zu leugnen, daß dann Gedankenlosigkeit und Selbstzufriedenheit um sich greifen könnten. Aber das muß nicht so sein, und Wahrheit darf jedenfalls nicht von Nützlichkeit abhängig gemacht werden. Eine umfassende Auseinandersetzung, die vor allem im Nachdenken über die Geschichte der letzten zwei Jahrhunderte bestehen müßte, würde die Vergangenheit, von der im Thema die Rede ist, zwar ebenso zum "Vergehen" bringen, wie es jeder Vergangenheit zukommt, aber sie würde sie sich gerade dadurch zu eigen machen.“ (Die Vergangenheit, die nicht vergehen will“, FAZ, 1986)

„Zwar der Rote terror nach der zahl seiner Opfer schwerlich viel schlimmer als der Weiße Terror. Er gehörte gleichwohl einer grundsätzlich andersartigen Dimension an. Wenn die Klassenzugehörigkeit als solche für todeswürdig erklärt wurde, wenn Lenin die Säuberung der russischen Erde von den „Hunden und Schweinen der sterbenden Bourgeoisie“ forderte, wenn Sinowjew kaltblütig die Ausrottung von 10 Millionen Menschen ins Auge faßte, wenn nach verbreiteten Berichten die Matrosen in Sewastopol oder Odessa jeden erschoßen, der saubere Fingernagel hatte, dann musste dadurch ein viel tieferes Entsetzen hervorgerufen als durch Massenerschießungen von Kriegsgefangenen seitens der Westen noch fehlt, wird man trotzdem sagen dürfen, daß der Bürgerkriegsterrorund die Kulaken-Vernichtung im entfernten und gefestigteren Westen, nämlich in Frankreich, und England und in den USA keine besonders gravierenden Reaktionen gezeitigt haben, aber in dem so viel näher gelegenen, so viel tiefer und stärker von ökonomischen und geistigen Krisen heimgesuchten Deutschland war es andersund müsste es anders sein, so wenig von vornherein feststand, welche Formdiese Reaktion annehmen würde.

Die Klassenvernichtungen in sowjetisch besetzten Osteuropa erzeugten nach 1945 in ihrem Teil des Westen die Mentalität des kalten Krieges, aber sie wurden doch häufig und sicherlich nicht ganz ohne Grund als die Beseitigung korrupter oder allzu vergangenheitsorientierter Regimes und Verhältnisse verstanden. Die Bestätigung des Stalinschen Terrors und seine viele Millionen von Opfern durch Chruschtschow im Jahre 1956 markierte gerade den Beginn der ‚Entspannung‘.“ (Zwischen Geschichtslegende und Revisionismus?, 1980)

Das nebeneinander diese zwei Argumentationsreihen die eine im Vordergrund steht, aber sich doch nicht vollständig durchsetzten konnte, hat zu einer Situation geführt, die man als paradox oder auch als grotesk bezeichnen kann.“ (Vergangenheit, die nicht vergehen will, 1986)




CLAUS NORDBRUCH (geb. 1961)

"Betrachten wir uns anhand einiger Beispiele die praktische Umsetzung der Political Correctness und ihre Auswirkung auf die freie Meinungsäußerung. Wie heißt die Hauptstadt der Tschechei? Prag. Und die Hauptstadt Polens? Warschau. Und die Schlesiens? Breslau. Und die Ostpreußens? Königsberg. Alles falsch! Jedenfalls im politischen korrekten Sinne. Die überholte Verwendung deutscher Bezeichnungen signalisiert nämlich Ewiggestrigkeit, Uneinsichtigkeit gegenüber historischen Realitäten oder gar einen Sinn für Revanchismus. Wer Breslau sagt, unterminiert den polnischen Herrschaftsanspruch auf Ostdeutschland. Die richtigen Antworten wären im Zuge der gutmenschlichen Völkerverständigung Wroclaw und Kaliningrad gewesen. Nur warum sagen dann noch nicht einmal die selbst ernannten Gutmenschen Praha und Warszawa? Und - Hand aufs Herz! - wer sagt schon zu Auschwitz Oswiecim?"

"Der Begriff 'jugendgefährdend' ist schwammig. Wie wir im folgenden sehen werden, impliziert 'jugendgefährdend' in der BRD einen generellen Charakter und ist nicht mehr, wie dies noch im Mittelalter üblich war, primär als religiöse oder moralische Umschreibung zu verstehen, sondern ist insbesondere als politisches Stigma zu begreifen. Darüber hinaus erfolgt die Qualifizierung bzw. Abqualifizierung als 'jugendgefährdend' ganz offensichtlich willkürlich..."

"Demokratie, erst recht wenn sie sich freiheitlich und pluralistisch schimpft, lebt vom freien Austausch aller Meinungen und vom ungehinderten Engagement seiner Bürger. Ein freies Staatssystem braucht die freie Meinungsäußerung des einzelnen, wie das Parlament die Opposition. Gegensätzliche Ansichten beleben die Auseinandersetzung in einem pluralistischen Gesellschaftssystem, sie gehören nicht bestraft."

"Die Belange Deutschlands lediglich von einer etablierten politischen Clique vertreten werden, die obendrein alle wichtigen Positionen in der Wirtschaft und Kultur beherrscht, ist der "freiheitliche pluralistische Rechtsstaat" einer Oligarchie gewichen. Diese Clique übt damit das aus, was bislang lediglich totalitären Staatsformen vorgeworfen wurde, nämlich Meinungs- und Volksvertretung durch einen absoluten Wahrheits- und Herrschaftsanspruch ersetzen zu wollen."

"Ein Gutmensch gibt sich mit ihm erst gar nicht ab. Er wird nicht zu Diskussionsrunden eingeladen. Mit ihm redet man nicht. So einer bekommt keine Gelegenheit, seinen Standpunkt darzustellen. Er stinkt halt, wie Dieter E. Zimmer einmal in der ZEIT feststellte, und deshalb geht man so einem aus dem Weg. Political Correctness kann für einen freiheitlichen Staat nur tödlich ausgehen."

"Eine 'Meinung' ist zunächst einmal ein hohler. Nicht jede Äußerung des Individuums kann als Meinung gelten. Andere menschliche Kundgebungen sind beispielsweise die unwillkürlichen Ausdrücke des Schmerzes, der Trauer, der Freude oder der Überraschung. Weiteres gibt noch keine Meinung jemand von sich, der fremdes Gedankengut, d. h. Gedankenarbeit Dritter oder Tatsachen verbreitet, wie beispielsweise ein Nachrichtensprecher oder der Erzähler eines Witzes.

Dass menschliche Äußerung als Meinungsäußerung akzeptiert werden kann, ist es notwendig, Dass sie vom Willen des Äußernden gekennzeichnet ist. Unter dem Begriff "MEINUNG" wollen wir deshalb Stellungnahmen, Anschauungen, Einschätzungen, Auffassungen und Wertungen verstehen."

"Wir schließen uns hier insbesondere dem Urteil des Bundesverfassungsgericht an, das bezüglich Werturteile ausdrücklich 'wertende Betrachtungen von Tatsachen' einbezieht, wobei es unerheblich ist, ob diese Meinungen 'richtig' oder 'falsch', 'emotional' oder 'rational' begründet sind, da sie als menschliche Geistesprodukte notwendigerweise subjektiv sind. Die Bildung einer eigenen Meinung, verstanden als Ergebnis eines rationalen Denkvorganges, erfordert eine umfassende Vergleichs- und Abwägungsbasis."

Die gründliche Information, das Recht auf Meinungsempfang, ist der erste Schritt zur eigenen Meinung. Für die politische Meinungsbildung bedeutet dies eine prinzipiell unbeschränkte Informationsmöglichkeit. Ein kontrollierter Meinungsbezugsweg führt die Möglichkeit auf eine wirkliche, fundierte Meinungsbildung bereits ad absurdum. Dass genau dies in der BRD der Fall ist, möchten wir im Folgenden belegen."

"Einschränkung, Knebelung, selbst die völlige Abschaffung von Meinungsfreiheit sind in Deutschland alles andere als unbekannt. Johann Wolfgang Goethes Götz von Berlichingen (1773) sowie Friedrich Schillers Die Räuber (1781) beispielsweise mussten anonym erscheinen, d. h. unter Angabe eines falschen Druckorts, ohne Verfasser- und Verlagsangabe und unter Umgehung der Vorzensur. Selbiges gilt für verschiedene Werke beispielsweise von Gotthold Ephraim Lessing, Christoph Martin Wieland, Heinrich von Kleist, Friedrich Maximilian Klinger, Georg Büchner, Gerhart Hauptmann, Ludwig Thoma und vielen anderen."

"Es geht darum, gegen Denkverbote anzukämpfen. Das Fatale an der Political Correctness für die Meinungsäußerungsfreiheit ist, Dass manche Auseinandersetzungen und Diskussionen von vornherein nicht oder nur in Form einer Diffamierungskampagne oder eines Schauprozesses stattfinden können. Denn sobald jemand von der Faschismuskeule getroffen oder beispielsweise als Nazi oder Sexist erfolgreich verunglimpft worden ist, hat er die asoziale Krätze."

"Heutzutage gilt politische Korrektheit in Deutschland als eine hauptsächlich von so genannten Antifaschisten, Feministinnen, Vergangenheitsbewältigern und Trauerarbeitern verordnete Verhaltensnorm, die besagt, das eigene Denken, die eigene Meinung entsprechend dieser einengenden Schablonen auszurichten. Man darf deshalb feststellen, daß die politische Korrektheit ein Instrument der geistigen Gleichschaltung ist und somit in der modernen Kulturgeschichte einen außergewöhnlichen Präzedenzfall zensorischer Manipulation im politischen Willensbildungsprozeß des Menschen darstellt."

"In Deutschland ist es selbstverständlich nicht mehr korrekt, vom Zigeuner zu sprechen. Hiervon unbeeindruckt zeigen sich natürlich die europäischen Nachbarn der Deutschen. Der Franzose beispielsweise nennt den Zigeuner selbstredend weiterhin 'tzigane', der Brite 'gypsy', der Isländer bezeichnet ihn als 'sígauni', der Norweger 'sigøyner', der Spanier 'gitano' usw.

Nur im Deutschen heißt es jetzt korrekt 'Roma und Sinti', wobei diese Bezeichnung vollkommen inkorrekt ist, da es sich hierbei lediglich um die zwei Hauptstämme der Zigeuner handelt. Im Grunde genommen ist die generalisierende Bezeichnung 'Roma und Sinti' sogar rassistisch, da sie die kleineren Zigeunerstämme, wie z. B. die Lalleri, die Manusch, die Joneschti, die Polatschia, die Sikligars, die Boschi oder die Calè, ignoriert und damit ausgrenzt. Und das in Deutschland! Der Satz 'Gestern habe ich mich mit einem Zigeuner unterhalten', ist in der BRD gesellschaftlich nicht länger akzeptabel. Politisch korrekt muss es jetzt heißen: 'Gestern habe ich mit einem Sinti und Roma unterhalten', was offensichtlich nicht gerade geistreich ist."

"Nach der deutschen Kapitulation im Mai 1945 übernahmen die Alliierten die Herrschaft über ein in vier Besatzungszonen aufgeteiltes Rumpfdeutschland, deren Grundzüge in der Direktive JCS 1067 vom April 1945 festgelegt waren. In dieser Anweisung hieß es unter anderem, Dass Deutschland nicht als "befreiter", sondern als "besiegter Feindstaat" zu behandeln sei. Und so wussten die Siegermächte im Namen der Demokratie zunächst mit Maßnahmen aufzuwarten, die den Praktiken der mittelalterlichen Zensur nicht unähnlich waren.

Unter dem Oberbegriff der Heilslehre von 'Entnazifizierung' und 'Umerziehung' setzten sie eine imposante Kontrollmaschinerie in Bewegung, die die Deutschen belehren, bekehren und möglichst für immer verändern sollte. Bücherverbrennungen waren deshalb zunächst einmal angesagt. Allein im ersten Besatzungsjahr wurden rund 33.600 Buchtitel verboten und vernichtet. Die deutschen Medien unterlagen der totalen Zensur der Alliierten."

"Politische Korrektheit ist die Diktatur von Tabus und Meinungen. Der politisch korrekt denkende Mensch glaubt zu wissen, was moralisch, richtig und gut ist und erhebt seine Ansicht zum Dogma der Rechtsgläubigen. Andere Meinungen werden als unkorrekt ausgeschlossen. Damit wird die freie Diskussion eingeschränkt und dafür Denkverbote errichtet. "

"Schon in vorchristlicher Zeit haben heidnische Völker zwei oberste Grundsätze im Leben erkannt: Achte die Naturgesetze und nimm dein Leben selbst in die Hand! Nichts davon ist den Christen gemein. Sie meinen im Gegensatz dazu, sich auf ebenso kurzsichtige wie überhebliche Weise die Erde Untertan machen zu müssen und legen dabei ihr eigenes Schicksal in die 'Hände' einer Phantasievorstellung."

"...Vielmehr kam es noch zu einem Gerichtsverfahren, da Der Auschwitz-Mythos den Tatbestand der Volksverhetzung gemäß § 130 StGB erfülle. 1982 wurde das Werk von Stäglich schließlich beschlagnahmt und eingezogen. Eine umgehende Revision wurde vom Bundesgerichtshof verworfen, die Verfassungsbeschwerden des Verlegers und des Autors nahm das Bundesverfassungsgericht mit der Begründung auf Aussichtslosigkeit nicht an. "

"Was wollen Sie eigentlich? Wir können doch in Deutschland sagen und schreiben was wir wollen", so oder ähnlich werde ich von gutgläubigen Zeitgenossen manchmal angesprochen, wenn ich die These aufstelle, Dass in der BRD Gedankenfreiheit nicht gewährleistet sei; wenn ich behaupte, Dass Meinungsäußerungsfreiheit eingeschränkt, ja teilweise bereits aufgehoben und von politisch korrekten Dogmen oder antifaschistischen Gesinnungsvorgaben ersetzt worden sei."

"Wir werden uns weder durch fehlinterpretierte 'Zivilcourage' noch durch Versuche, die Meinungsäußerungsfreiheit zu beschneiden, davon abbringen lassen, eine Bresche für die Geistesfreiheit zu schlagen! Wir werden uns auch in Zukunft niemals vorschreiben lassen, was wir zu denken haben oder wen oder was wir lesen oder kritisieren dürfen. Wir werden uns keine Denkschablonen aufzwängen lassen." (Sind Gedanken noch frei? 1998-2010)


MONTAGU COLLET NORMAN (1871-1950)

„Durch die Aufspaltung der Wähler in das politische Parteisystem, können wir sie dazu bringen für Kämpfe aufzubrauchen für Fragen, die keinerlei Bedeutung haben.“




GEORG PHILIPP FRIEDRICH FREIHERR v. HARDENBERG, "Novalis" (1772-1801)

„Das Höchste ist das Verständlichste, das Nächste, das Unentbehrlichste.“

"Das Gebet, oder der religiöse Gedanke besteht also aus einer dreifach aufsteigenden, unteilbaren Abstraktion oder Setzung. Jeder Gegenstand kann dem Religiösen ein Tempel im Sinn der Auguren sein. Der Geist dieses Tempels ist der allgegenwärtige Hohepriester, der monotheistische Mittler, welcher allein im unmittelbaren Verhältnisse mit der Gottheit steht."

"Das Interessante ist, was mich, nicht um mein selbst willen, sondern nur als Mittel, als Glied, in Bewegung setzt. Das Klassische stört mich gar nicht; es affiziert mich nur indirekt durch mich selbst. Es ist nicht für mich da, als klassisch, wenn ich es nicht setze, als ein solches, das mich nicht affizieren würde, wenn ich mich nicht selbst zur Hervorbringung desselben für mich, bestimmte, anregte; wenn ich nicht ein Stück von mir selbst losrisse, und diesen Keim sich auf eine eigentümliche Weise vor meinen Augen entwickeln ließe. Eine Entwicklung, die oft nur einen Moment bedarf, und mit der sinnlichen Wahrnehmung des Objekts zusammen fällt, so daß ich ein Objekt vor mir sehe, in welchem das gemeine Objekt und das Ideal, wechselseitig durchdrungen, nur Ein wunderbares Individuum bilden."

"Das Unbedeutende, Gemeine, Rohe, Häßliche, Ungesittete, wird durch Witz allein Gesellschaftsfähig. Es ist gleichsam nur um des Witzes willen: seine Zweckbestimmung ist der Witz."

"Das willkürlichste Vorurteil ist, daß dem Menschen das Vermögen außer sich zu sein, mit Bewußtsein jenseits der Sinne zu sein, versagt sei. Der Mensch vermag in jedem Augenblicke ein übersinnliches Wesen zu sein."

"Der Deutsche ist lange das Hänschen gewesen. Er dürfte aber wohl bald der Hans aller Hanse werden. Es geht ihm, wie es vielen dummen Kindern gehn soll: er wird leben und klug sein, wenn seine frühklugen Geschwister längst vermodert sind, und er nun allein Herr im Hause ist."

"Der Geschichtschreiber organisiert historische Wesen. Die Data der Geschichte sind die Masse, der der Geschichtschreiber Form gibt, durch Belebung. Mithin steht auch die Geschichte unter den Grundsätzen der Belebung und Organisation überhaupt, und bevor nicht diese Grundsätze da sind, gibt es auch keine echten historischen Kunstgebilde, sondern nichts als hie und da Spuren zufälliger Belebungen, wo unwillkürliches Genie gewaltet hat."

"Derjenige wird nie als Darsteller etwas vorzügliches leisten, der nichts weiter darstellen mag, als seine Erfahrungen, seine Lieblingsgegenstände, der es nicht über sich gewinnen kann, auch einen ganz fremden, ihm ganz uninteressanten Gegenstand, mit Fleiß zu studieren und mit Muße darzustellen. Der Darsteller muß alles darstellen können und wollen. Dadurch entsteht der große Stil der Darstellung, den man mit Recht an Goethe so sehr bewundert."

"Der Mensch besteht in der Wahrheit. Gibt er die Wahrheit preis, so gibt er sich selbst preis. Wer die Wahrheit verrät, verrät sich selbst. Es ist hier nicht die Rede vom Lügen, sondern vom Handeln gegen Überzeugung."

"Der Mensch erscheint am würdigsten, wenn sein erster Eindruck der Eindruck eines absolut witzigen Einfalls ist: nämlich Geist und bestimmtes Individuum zugleich zu sein. Einen jeden vorzüglichen Menschen muß gleichsam ein Geist zu durchschweben scheinen, der die sichtbare Erscheinung idealisch parodiert. Bei manchen Menschen ist es als ob dieser Geist der sichtbaren Erscheinung ein Gesicht schnitte."

"Der Mensch lebt, wirkt nur in der Idee fort, durch die Erinnerung an sein Dasein. Vor der Hand gibts kein anderes Mittel der Geisterwirkungen auf dieser Welt. Daher ist es Pflicht an die Verstorbenen zu denken. Es ist der einzige Weg in Gemeinschaft mit ihnen zu bleiben. Gott selbst ist auf keine andere Weise bei uns wirksam als durch den Glauben."

"Der Mensch erscheint am würdigsten, wenn sein erster Eindruck der Eindruck eines absolut witzigen Einfalls ist: nämlich Geist und bestimmtes Individuum zugleich zu sein. Einen jeden vorzüglichen Menschen muß gleichsam ein Geist zu durchschweben scheinen, der die sichtbare Erscheinung idealisch parodiert. Bei manchen Menschen ist es als ob dieser Geist der sichtbaren Erscheinung ein Gesicht schnitte."

"Der Sitz der Seele ist da, wo sich Innenwelt und Außenwelt berühren. Wo sie sich durchdringen, ist er in jedem Punkte der Durchdringung."

„Der Unterschied zwischen Wahn und Wahrheit liegt in der Differenz ihrer Lebensfunktionen. Der Wahn lebt von der Wahrheit; die Wahrheit lebt ihr Leben in sich. "

„Der Weltstaat ist der Körper, den die schöne Welt, die gesellige Welt, beseelt. Er ist ihr notwendiges Organ.“

"Dichter und Priester waren im Anfang Eins, und nur spätere Zeiten haben sie getrennt. Der echte Dichter ist aber immer Priester, so wie der echte Priester immer Dichter geblieben. Und sollte nicht die Zukunft den alten Zustand der Dinge wieder herbeiführen?"

"Die Basis aller ewigen Verbindung ist eine absolute Tendenz nach allen Richtungen. Darauf beruht die Macht der Hierarchie, der echten Maçonnerie, und des unsichtbaren Bundes echter Denker. Hierin liegt die Möglichkeit einer Universalrepublik, welche die Römer bis zu den Kaisern zu realisieren begonnen hatten. Zuerst verließ August diese Basis, und Hadrian zerstörte sie ganz."

„Die Bezeichnung durch Töne und Striche ist eine bewundernswürdige Abstraktion. Vier Buchstaben bezeichnen mir Gott; einige Striche eine Million Dinge. Wie leicht wird hier die Handhabung des Universums, wie anschaulich die Konzentrizität der Geisterwelt! Die Sprachlehre ist die Dynamik des Geisterreichs. Ein Kommandowort bewegt Armeen; das Wort Freiheit Nationen.“

"Die Gegenstände der gesellschaftlichen Unterhaltung sind nichts, als Mittel der Belebung. Dies bestimmt ihre Wahl, ihren Wechsel, ihre Behandlung. Die Gesellschaft ist nichts, als gemeinschaftliches Leben: eine unteilbare denkende und fühlende Person. Jeder Mensch ist eine kleine Gesellschaft."

"Die höchste Aufgabe der Bildung ist, sich seines transzendentalen Selbst zu bemächtigen, das Ich seines Ich's zugleich zu sein. Um so weniger befremdlich ist der Mangel an vollständigem Sinn und Verstand für Andre. Ohne vollendetes Selbstverständnis wird man nie andere wahrhaft verstehn lernen."

"Die meisten Beobachter der Revolution, besonders die Klugen und Vornehmen, haben sie für eine lebensgefährliche und ansteckende Krankheit erklärt. Sie sind bei den Symptomen stehn geblieben und haben diese auf eine mannigfaltige Weise untereinander geworfen und ausgelegt. Manche haben es für ein bloß lokales Übel gehalten. Die genievollsten Gegner drangen auf Kastration. Sie merkten wohl, daß diese angebliche Krankheit nichts als Krise der eintretenden Pubertät sei."

"Die Menschenwelt ist das gemeinschaftliche Organ der Götter. Poesie vereinigt sie, wie uns."

"Die Phantasie setzt die künftige Welt entweder in die Höhe, oder in die Tiefe, oder in der Metempsychose zu uns. Wir träumen von Reisen durch das Weltall: ist denn das Weltall nicht in uns? Die Tiefen unseres Geistes kennen wir nicht. – Nach Innen geht der geheimnisvolle Weg. In uns, oder nirgends ist die Ewigkeit mit ihren Welten, die Vergangenheit und Zukunft. Die Außenwelt ist die Schattenwelt, sie wirft ihren Schatten in das Lichtreich. Jetzt scheint es uns freilich innerlich so dunkel, einsam, gestaltlos, aber wie ganz anders wird es uns dünken, wenn diese Verfinsterung vorbei, und der Schattenkörper hinweggerückt ist. Wir werden mehr genießen als je, denn unser Geist hat entbehrt."

"Die wahre Religion scheint aber bei einer nähern Betrachtung abermals antinomisch geteilt in Pantheismus und Monotheismus. Ich bediene mich hier einer Lizenz, indem ich Pantheism nicht im gewöhnlichen Sinn nehme, sondern darunter die Idee verstehe, daß alles Organ der Gottheit, Mittler sein könne, indem ich es dazu erhebe so wie Monotheism im Gegenteil den Glauben bezeichnet, daß es nur Ein solches Organ in der Welt für uns gebe, das allein der Idee eines Mittlers angemessen sei, und wodurch Gott allein sich vernehmen lasse, welches ich also zu wählen durch mich selbst genötigt werde: denn ohnedem würde der Monotheism nicht wahre Religion sein."

"Ein Gesetz ist seinem Begriffe nach wirksam. Ein unwirksames Gesetz ist kein Gesetz. Gesetz ist ein kausaler Begriff, Mischung von Kraft und Gedanken. Daher ist man sich nie eines Gesetzes, als solchen, bewußt. Insofern man an ein Gesetz denkt, ist es nur ein Satz, d. h. ein Gedanke mit einem Vermögen verbunden. Ein widerstehender, ein beharrlicher Gedanke, ist ein strebender Gedanke und vermittelt das Gesetz und den bloßen Gedanken."

„Ein großer Fehler unserer Staaten ist es, daß man den Staat zu wenig sieht. Überall sollte der Staat sichtbar, jeder Mensch, als Bürger charakterisiert sein. Ließen sich nicht Abzeichen und Uniformen durchaus einführen? Wer so etwas für geringfügig hält, kennt eine wesentliche Eigentümlichkeit unsrer Natur nicht.“ (Glaube und Liebe, 1798)

"Eine allzugroße Dienstfertigkeit der Organe würde dem irdischen Dasein gefährlich sein. Der Geist in seinem jetzigen Zustande würde eine zerstörende Anwendung davon machen. Eine gewisse Schwere des Organs hindert ihn an allzuwillkürlicher Tätigkeit, und reizt ihn zu einer regelmäßigen Mitwirkung, wie sie sich für die irdische Welt schickt. Es ist unvollkommener Zustand desselben, daß ihn diese Mitwirkung so ausschließlich an diese Welt bindet. Daher ist sie ihrem Prinzip nach terminiert."

"Eine Übersetzung ist entweder grammatisch, oder verändernd, oder mythisch. Mythische Übersetzungen sind Übersetzungen im höchsten Stil. Sie stellen den reinen, vollendeten Charakter des individuellen Kunstwerks dar. Sie geben uns nicht das wirkliche Kunstwerk, sondern das Ideal desselben. Noch existiert wie ich glaube, kein ganzes Muster derselben. Im Geist mancher Kritiken und Beschreibungen von Kunstwerken trifft man aber helle Spuren davon. Es gehört ein Kopf dazu, in dem sich poetischer Geist und philosophischer Geist in ihrer ganzen Fülle durchdrungen haben. Die griechische Mythologie ist zum Teil eine solche Übersetzung einer Nationalreligion. Auch die moderne Madonna ist ein solcher Mythus. Grammatische Übersetzungen sind die Übersetzungen im gewöhnlichen Sinn. Sie erfordern sehr viel Gelehrsamkeit, aber nur diskursive Fähigkeiten."

"Fast immer hat man den Anführer, den ersten Beamten des Staats, mit dem Repräsentanten des Genius der Menschheit vermengt, der zur Einheit der Gesellschaft oder des Volks gehört. Im Staat ist alles Schauhandlung, das Leben des Volks ist Schauspiel; mithin muß auch der Geist des Volks sichtbar sein. Dieser sichtbare Geist kommt entweder, wie im tausendjährigen Reiche, ohne unser Zutun, oder er wird einstimmig durch ein lautes oder stilles Einverständnis gewählt.
Es ist eine unwidersprechliche Tatsache, daß die meisten Fürsten nicht eigentlich Fürsten, sondern gewöhnlich mehr oder minder eine Art von Repräsentanten des Genius ihrer Zeit waren, und die Regierung mehrenteils, wie billig, in subalternen Händen sich befand.
Ein vollkommner Repräsentant des Genius der Menschheit dürfte leicht der echte Priester und der Dichter sein."

"Genie ist das Vermögen von eingebildeten Gegenstaenden, wie von wirklichen zu handeln, und sie auch wie diese zu behandeln. Das Talent darzustellen, genau zu beobachten, zweckmäßig die Beobachtung zu beschreiben, ist also vom Genie verschieden. Ohne dieses Talent sieht man nur halb, und ist nur ein halbes Genie; man kann genialische Anlage haben, die in Ermangelung jenes Talents nie zur Entwicklung kommt."

"Gerichtshöfe, Theater, Hof, Kirche, Regierung, öffentliche Zusammenkünfte, Akademien, Kollegien usw. sind gleichsam die speziellen, innern Organe des mystischen Staatsindividuums."

"...Ihre sogenannte Religion wirkt bloß wie ein Opiat: reizend, betäubend, Schmerzen aus Schwäche stillend. Ihre Früh- und Abendgebete sind ihnen, wie Frühstück und Abendbrot, notwendig. Sie können's nicht mehr lassen. Der derbe Philister stellt sich die Freuden des Himmels unter dem Bilde einer Kirmeß, einer Hochzeit, einer Reise oder eines Balls vor: der sublimierte macht aus dem Himmel eine prächtige Kirche mit schöner Musik, vielem Gepränge, mit Stühlen für das gemeine Volk parterre, und Kapellen und Emporkirchen für die Vornehmern."

"Je mehr sich unsere Sinne verfeinern, desto fähiger werden sie zur Unterscheidung der Individuen. Der höchste Sinn wäre die höchste Empfänglichkeit für eigentümliche Natur. Ihm entspräche das Talent der Fixierung des Individuums, dessen Fertigkeit und Energie relativ ist. Wenn der Wille sich in Beziehung auf diesen Sinn äußert, so entstehn die Leidenschaften für oder gegen Individualitäten: Liebe und Haß. Die Meisterschaft im Spiel seiner eignen Rolle verdankt man der Richtung dieses Sinns auf sich selbst bei herrschender Vernunft."

"Jede Menschengestalt belebt einen individuellen Keim im Betrachtenden. Dadurch wird diese Anschauung unendlich, sie ist mit dem Gefühl einer unerschöpflichen Kraft verbunden, und darum so absolut belebend. Indem wir uns selbst betrachten, beleben wir uns selbst.
Ohne diese sichtbare und fühlbare Unsterblichkeit würden wir nicht wahrhaft denken können.
Diese wahrnehmbare Unzulänglichkeit des irdischen Körpergebildes zum Ausdruck und Organ des inwohnenden Geistes, ist der unbestimmte, treibende Gedanke, der die Basis aller echten Gedanken wird, der Anlaß zur Evolution der Intelligenz, dasjenige, was uns zur Annahme einer intelligiblen Welt und einer unendlichen Reihe von Ausdrücken und Organen jedes Geistes, deren Exponent oder Wurzel seine Individualität ist, nötigt."

"Jede Stufe der Bildung fängt mit Kindheit an. Daher ist der am meisten gebildete, irdische Mensch dem Kinde so ähnlich."

"Je verworrener ein Mensch ist, man nennt die Verworrenen oft Dummköpfe, desto mehr kann durch fleißiges Selbststudium aus ihm werden; dahingegen die geordneten Köpfe trachten müssen, wahre Gelehrte, gründliche Enzyklopädisten zu werden. Die Verworrenen haben im Anfang mit mächtigen Hindernissen zu kämpfen, sie dringen nur langsam ein, sie lernen mit Mühe arbeiten: dann aber sind sie auch Herrn und Meister auf immer. Der Geordnete kommt geschwind hinein, aber auch geschwind heraus. Er erreicht bald die zweite Stufe: aber da bleibt er auch gewöhnlich stehn. Ihm werden die letzten Schritte beschwerlich, und selten kann er es über sich gewinnen, schon bei einem gewissen Grade von Meisterschaft sich wieder in den Zustand eines Anfängers zu versetzen. Verworrenheit deutet auf Überfluß an Kraft und Vermögen, aber mangelhafte Verhältnisse; Bestimmtheit, auf richtige Verhältnisse, aber sparsames Vermögen und Kraft. Daher ist der Verworrne so progressiv, so perfektibel, dahingegen der Ordentliche so früh als Philister aufhört. Ordnung und Bestimmtheit allein ist nicht Deutlichkeit. Durch Selbstbearbeitung kommt der Verworrene zu jener himmlischen Durchsichtigkeit, zu jener Selbsterleuchtung, die der Geordnete so selten erreicht. Das wahre Genie verbindet diese Extreme. Es teilt die Geschwindigkeit mit dem letzten und die Fülle mit dem ersten."

"Leben ist der Anfang des Todes. Das Leben ist um des Todes willen. Der Tod ist Endigung und Anfang zugleich, Scheidung und nähere Selbstverbindung zugleich. Durch den Tod wird die Reduktion vollendet."

"Man vernichtet den Wahn, wie man Krankheiten vernichtet, und der Wahn ist also nichts, als logische Entzündung oder Verlöschung, Schwärmerei oder Philisterei. Jene hinterläßt gewöhnlich einen scheinbaren Mangel an Denkkraft, der durch nichts zu heben ist, als eine abnehmbare Reihe von Inzitamenten, Zwangsmitteln. Diese geht oft in eine trügliche Lebhaftigkeit über, deren gefährliche Revolutionssymptome nur durch eine zunehmende Reihe gewaltsamer Mittel vertrieben werden können. Beide Dispositionen können nur durch chronische, streng befolgte Kuren verändert werden.“

"Menschen zu beschreiben ist deswegen bis jetzt unmöglich gewesen, weil man nicht gewußt hat, was ein Mensch ist. Wenn man erst wissen wird, was ein Mensch ist, so wird man auch Individuen wahrhaft genetisch beschreiben können."

"Scham ist wohl ein Gefühl der Profanation. Freundschaft, Liebe und Pietät sollten geheimnisvoll behandelt werden. Man sollte nur in seltnen, vertrauten Momenten davon reden, sich stillschweigend darüber einverstehen. Vieles ist zu zart um gedacht, noch mehres um besprochen zu werden."

"Schriften sind die Gedanken des Staats, die Archive sein Gedächtnis."

"Selbstentäußerung ist die Quelle aller Erniedrigung, so wie im Gegenteil der Grund aller echten Erhebung. Der erste Schritt wird Blick nach Innen, absondernde Beschauung unsers Selbst. Wer hier stehn bleibt, gerät nur halb. Der zweite Schritt muß wirksamer Blick nach Außen, selbsttätige, gehaltne Beobachtung der Außenwelt sein."

"Unsere alte Nationalität war, wie mich dünkt, echt römisch. Natürlich, weil wir auf eben dem Wege wie die Römer entstanden; und so wäre der Name Römisches Reich wahrlich ein artiger, sinnreicher Zufall. Deutschland ist Rom, als Land. Ein Land ist ein großer Ort mit seinen Gärten. Das Kapitol ließe sich vielleicht nach dem Gänsegeschrei vor den Galliern bestimmen. Die instinktartige Universalpolitik und Tendenz der Römer liegt auch im Deutschen Volk. Das Beste, was die Franzosen in der Revolution gewonnen haben, ist eine Portion Deutschheit."

"Unser Alltagsleben besteht aus lauter erhaltenden, immer wiederkehrenden Verrichtungen. Dieser Zirkel von Gewohnheiten ist nur Mittel zu einem Hauptmittel, unserm irdischen Dasein überhaupt, das aus mannigfaltigen Arten zu existieren gemischt ist.
Philister leben nur ein Alltagsleben. Das Hauptmittel scheint ihr einziger Zweck zu sein. Sie tun das alles, um des irdischen Lebens willen; wie es scheint und nach ihren eignen Äußerungen scheinen muß..."

"Unsere Sprache ist entweder mechanisch, atomistisch, oder dynamisch. Die echt poetische Sprache soll aber organisch, lebendig sein. Wie oft fühlt man die Armut an Worten, um mehre Ideen mit Einem Schlage zu treffen."

"Wenn man einen Risen sieht, so untersuche man erst den Stand der Sonne und gebe acht, ob es nicht der Schatten eines Pygmäen ist."

"Wenn man in der Mitteilung der Gedanken zwischen absolutem Verstehen und absolutem Nichtverstehen abwechselt, so darf das schon eine philosophische Freundschaft genannt werden. Geht es uns doch mit uns selbst nicht besser. Und ist das Leben eines denkenden Menschen wohl etwas andres als eine stete innere Symphilosophie?"

"Wie kann ein Mensch Sinn für etwas haben, wenn er nicht den Keim davon in sich hat? Was ich verstehn soll, muß sich in mir organisch entwickeln; und was ich zu lernen scheine, ist nur Nahrung, Inzitament des Organismus."

"Wir stehen in Verhältnissen mit allen Teilen des Universums, so wie mit Zukunft und Vorzeit. Es hängt nur von der Richtung und Dauer unsrer Aufmerksamkeit ab, welches Verhältnis wir vorzüglich ausbilden wollen, welches für uns vorzüglich wichtig, und wirksam werden soll. Eine echte Methodik dieses Verfahrens dürfte nichts weniger, als jene längstgewünschte Erfindungskunst sein; es dürfte wohl mehr noch, als diese sein. Der Mensch verfährt stündlich nach ihren Gesetzen und die Möglichkeit dieselben durch genialische Selbstbeobachtung zu finden ist unzweifelhaft."

"Wo echter Hang zum Nachdenken, nicht bloß zum Denken dieses oder jenes Gedankens, herrschend ist, da ist auch Progressivität. Sehr viele Gelehrte besitzen diesen Hang nicht. Sie haben schließen und folgern gelernt, wie ein Schuster das Schuhmachen, ohne je auf den Einfall zu geraten, oder sich zu bemühen, den Grund der Gedanken zu finden. Dennoch liegt das Heil auf keinem andern Wege. Bei vielen währt dieser Hang nur eine Zeitlang. Er wächst und nimmt ab, sehr oft mit den Jahren, oft mit dem Fund eines Systems, das sie nur suchten, um der Mühe des Nachdenkens ferner überhoben zu sein."


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